Mittwoch, 28. April 2010

Ein Jahr



In einem Jahr - noch nicht einmal - kommt dann also, vorraussichtlich, der zweite Band zur Königsmörder - Trilogie. Ich bin happy =) Auch wenn der hochgeschätzte Herr Rothfuss sich tausendmal entschuldigt bei allen Lesern, dass es noch so lange dauert, freu ich mich, denn ein mehr oder weniger sicheres Datum ist ja mehr als eine ungefähre Schätzung. Ein Jahr. Damit kann ich umgehen.

Which means: Ich hab noch ein Jahr für meine persönliche Rohfassung von "Remember". Denn wenn der zweite Band rauskommt, soll die fertig sein, als mein persönliches Ziel, nur die Rohfassung, wenn möglich auch die überarbeitete Version, aber das wird vermutlich zu viel.

Das Dumme ist nur: Ich hänge fest -v-

Mittwoch, 31. März 2010

Eine gequälte Sparente

Zum 18. Geburtstag sind fast alle Jungs der Clique aus unserem Studienraum gekommen, ein Raum in unserer Schule mit Computer und nutzbar für Lernzwecke sowie in den Pausen. Unser Pausenraum, wo wir unsere Ruhe haben. Die Jungs hab ich zu meinem achtzehnten eingeladen, zur Grillparty im Garten, und sie sind gekommen, wir hatten Spaß und es war ein cooler Abend/Nacht. Sergij hat mir damals eine Sparente geschenkt, in der mein Kleingeld aufbewahrt und gespart wird. Ist die Ente voll, kommt es in ein großes Paket und es wird weitergespart. Allerdings hat diese Ente nur einen Gumminoppen am Boden - sie kann von jedem Idioten geöffnet werden.

Diese Ente steht in meinem Regal und frisst mein Kleingeld. Als sie das erste Mal voll war, waren es fast 140 Euro, das Geld kam ins Paket und das Sparen begann von vorne. Ich bin sehr vergesslich, deshalb führe ich genau Buch darüber, was ich reintue, was ich rausnehme etc., und weil ich für so einiges spare, ist es meine eiserne Reserve. Mit der Zeit sind so einige tolle Sondermünzen da hineingewandert, die wohl kaum je ausgegeben worden wären - hätte ich sie behalten.

Geh ich also gestern ins Kino mit einigen Freunden, will vorher, weil ich den Kinogutschein nicht finden kann, noch ein paar Euros mitnehmen, und nehme die Ente. Verdächtig leicht - sehr verdächtig leicht. Als ich sie auf den Schreibtisch entleere, sind von den ehemals knapp 50Euro nur noch knapp 5 geblieben. Nicht aufgeschrieben, und ich weiß, dass ich so viel niemals entnommen hätte. Nie.

Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle treffe ich Mutti und rede mit ihr darüber, und am nächsten Tag - gerade eben - liegt ein Zettel vor meiner Tür mit einem Zehn-Euro-Schein:

"Es tut mir wirklich Leid, was ich getan habe, deshalb bekommst du als entschädigung diese 10Euro und eine große Entschuldigung von deiner Schwester, die dir verspricht, so etwas nicht mehr zu tun."

Ich dachte, sie wäre schon 20 Jahre alt. Ich dachte, sie wäre erwachsen geworden von der zickigen großen Schwester, die mich morgens beim Aufstehen entweder getreten oder an den Haaren gezogen hat. Ich dachte, sie wäre raus aus dieser Phase, die sie schon einmal hatte - nur, dass sie damals unsere Großeltern um sehr viel erleichtert hat.

Und ganz im Ernst: ZEHN Euro als Entschädigung für genau DREIUNDVIERZIG Euro sechsundsiebzig?! Hallo?! Ich brauch das Geld, ich wollte die Sondermünzen behalten und die klingenden Münzen, die ich mir Stück für Stück abgespart hab! Ich hab doch nicht umsonst jeden Cent, den ich übrig hatte, da hinein geschmissen und dokumentiert!!!!
Ich bin sauer.

Und zu allem Überfluss ist auch noch der Gumminoppen bei ihren gewaltsamen Entfernungsversuchen kaputt gegangen und fällt jetzt von alleine ab.

Freitag, 26. Februar 2010

Die Liebe

Ja. Das alte, leidige, schmerzhafte, Friede-Freude-Eierkuchen-Thema.

Wie reagiert man? Locker und fröhlich, so wie immer, und die Aufregung im Inneren überspielen, dem anderen hinterherlaufen und ihm auf die Nerven gehen, sodass er allerdings wenigstens merkt, dass man was von ihm will? Oder einfach ignorieren, weil man viel zu lange braucht, um über ein geeignetes Thema nachzudenken?

Wenn es so wäre - wenn man kein Wort herausbrächte - wäre es eigentlich der Falsche, oder? Denn dann kann man nicht mit ihm reden und kann bei ihm nicht man selbst sein. Ist der Richtige nicht eigentlich jemand, bei dem man über solche Dinge gar nicht nachzudenken braucht? Jemand, mit dem man flachsen und lachen und sich über Hefeteig unterhalten kann, als wäre es das Normalste der Welt. Nicht jemand, bei dem man zusammenfährt und Nervösität alle vernünftigen Funktionen, einschließlich des logischen Denkens, blockiert.

Wie kann man unterscheiden zwischen Richtig und Falsch?

Gibt es außerhalb unseres beschränkten Sichtfeldes überhaupt ein Richtig und Falsch?

Lock Me Up

Schließ die Türen, schließ das Schloss, dreh den Schlüssel, wirf ihn fort.

Er soll im Dreck liegen, vergessen. Niemals wieder gefunden. Und das Schloss soll auf ewig verschlossen bleiben.

Ist es dunkel, kommt der Schmerz, kommt der Schlaf. Nicht jetzt. Grauen im Finstern.

„Da ist nichts.“

Nur im Innern, tief darin, tief im Finstern, brodelnd wie der Hölle Pfuhl. Willst nicht vergessen, willst vergessen. Willst bleiben, begraben in Traurigkeit, bis über den Hals, sie kriecht dir in Ohren, Mund und Nase, Hals, schleimig und kalt. Schämst dich, zu vergessen.

Kommt der Morgen, kommt die Sonne, kommt der Tod. Tod im Morgenrot.

„Ich will nicht!“

Willst es nicht vergessen, das Gefühl, zu schweben, zu lachen, all die Gefühle, sie kochen hoch in dir, brodeln und verbrennen dich. Fegefeuer hier in dir.

Und kommt dann auch das Abendrot, sieh das Meer, rot wie Tod, Blut da droben, und die Barke zieht dahin. Zieht die Schneise mittendurch, Schnitt im Himmel, Schnitt im Blut, Schnitt im Tod.

Morgenrot.

Montag, 2. November 2009

Laura

Lauras Seite auf dem Klavier war schon vor langer Zeit verstimmt worden.

Ihre Kindheit war fehlerlos. Perfekt.
Zu perfekt.

Ihre Eltern stritten niemals. Sie wurde geliebt, von ihnen, sie wurde immer gut behandelt. Sie lachten immer. Immer.
Als ob sie Theater spielen würden.

„Mama? Papa? Warum lacht ihr immer? Gibt es denn nichts, was euch traurig macht?“

Von einem Moment auf den andern war das Theaterstück vorbei.

„Was glaubst du eigentlich, für wen wir das hier machen?! Was glaubst du eigentlich, für wen wir uns fast aufgeben? Und du bist so ein undankbares Balg!“

Der Vorhang war gefallen.

Ab dann verkehrte Lauras Leben sich in das komplette Gegenteil. Sie machten nichts mehr zusammen. Ihr Vater war so oft weg. Ihre Mutter sah sie kaum mehr an, und ansonsten schrie sie. Sie gab Laura die Schuld für alles, was sie traurig machte.

Laura rannte davon. Tagelang ging sie auf der Straße von Stadt zu Stadt, ihre Füße schmerzten und bluteten. Irgendwann nicht mehr. Irgendwann waren ihre Schuhe zerfallen und ihre Fußsohlen fast so dick wie Leder geworden, sodass sie die Schmerzen nicht mehr spürte.

In Ilassar hatte sie Aica kennen gelernt.

Sie wurden beim Stehlen erwischt und haben sich in eine Gasse geflüchtet. Der Regen fällt, und sie schmiegen sich zusammen. Es ist eine Sackgasse, und sie können nur warten, bis die Leute, die sie suchen, verschwinden.

„Schon gut.“, flüstert Aica. „Es wird uns nichts passieren.“

Laura ist jünger als sie, einige Jahre, soweit sie das einschätzen kann, und blass und schwächlich. Das Leben auf der Straße ist sehr schwer für sie. Zu schwer, denkt Aica manchmal und hat Angst um die einzige Freundin.

Jetzt laufen Laura die Tränen über das stille Gesicht.
Nein. Sie ist nicht für die Straße gemacht.

„Uns kann nichts passieren.“, flüstert Aica. „Weil ich nämlich eine Zauberin bin.“

Es scheint, als würden die Tränen fast versiegen. Laura sieht sie an, staunend – und zweifelnd.

„Eine Zauberin?“

„Eine richtige.“

„Und was kannst du machen?“

Aicas Blick schweift umher und erhascht zufällig eine Münze. Einen Eisenpenny, den anscheinend jemand verloren hat. Vielleicht auch ein Dieb, der verjagt wurde und dem die Münze hier aus der Hand fiel.

Es ist wie Ironie des Schicksals, dass sie das Geld ausgerechnet jetzt und hier findet.

„Zaubern.“

Der Penny liegt in ihrer Reichweite, und Aica lässt ihn hochschweben, hebt ihn hoch, unsichtbar für alle, und hält ihn Laura hin.

Das Mädchen greift staunend danach, versucht zu ertasten, womit sie ihn hochgehoben hat. Aber sie kann es nicht greifen.

„Wow!“, ruft sie leise. „Du bist eine echte Zauberin!“

Nicht so laut, denkt Aica. Mach, dass sie uns nicht hören!

„Da sind sie!“

Die Stimme klingt wie ein altes, rostiges Reibeisen. Unangenehm. Aica lässt sie den kalten Schweiß am Rücken herunter laufen.

Mit ihren Äxten in den Händen kommen die Männer in die Gasse. Nichts zum Ausweichen. Der Fackelschein ergreift die beiden Mädchen, und Laura schlingt ihre Arme um Aica. Mit einem Schubser will Aica die andere von sich fort stoßen, damit sie eine Chance zur Flucht erhält.

Aber Laura ist schneller.

Sie stößt Aica beiseite, und eine scharfe Klinge trennt sauber ihren Kopf ab. Das Blut spritzt auf Aica.
Die Männer verprügeln sie, sodass sie danach reglos in der Gasse liegt. Alleine. Die Männer haben die Mädchenleiche mitgenommen. Aica kann nicht einmal daran denken. Sie denkt an gar nichts. Nur an die Schmerzen in ihrem Körper.

Lauras Seite auf dem Klavier war schon vor langer Zeit verstimmt worden.



Ein kleiner Oneshot zu "Remember" (="Black Lapislazuli" - ich hab den Titel geändert, weil mir der Neue passender erschien). Dazu, was Aica (die Hauptfigur) vor Beginn der Haupthandlung erlebte, wen sie traf, und wen sie verlor.

Freitag, 30. Oktober 2009

´Black Lapislazuli`

Meine Geschichte - mein Roman. Mein Baby.

Ich schreibe daran, seit ich schreiben kann - besser gesagt, die Handlung lag schon in mir, als ich noch mit Barbiepuppen gespielt habe. Serafins Name war einfach da, ohne ihn irgendwo hergeholt zu haben.

Mittlerweile schreibe ich seit vielen Jahren daran. Ich kann noch nicht einmal einen richtigen Anfang benennen, weil es den eigentlich nicht gab. Aber ich glaube, der erste schriftliche Versuch bestand aus meinen handschriftlich geschriebenen Blättern mit handgemalten Titelbildern, insgesamt drei Mappen, mit Aktendulli zusammengeheftet. Damals hieß Aica noch Josefine und war ein Mädchen, dass aus einer anderen Welt dorthin versetzt wird, um ihr vorbestimmtes Schicksal zu erfüllen. Damals war Aica noch mit Serafins Zwillingsbruder Cerch zusammen - Cerch hatte Flügel.

Mittlerweile gibt es Cerch kaum mehr. Serafin hat einen Zwillingsbruder namens Kvothe, der keine Flügel hat und bereits gestorben ist - aber mit Aica zusammen war.

Serafin hat sich ziemlich weiterentwickelt. Früher war er einfach der perfekte Gary Stue - mag sein, dass er es immer noch ist. Aber es ist mir egal. Denn Serafin ist besser geworden, tiefgründiger, nachvollziehbarer, und er ist der Charakter, der mir am allermeisten am Herzen liegt. Keine Geschichte, in der Serafin nicht in irgendeiner Form vorkommt, unter anderem Namen, anderem Aussehen und anderer Geschichte - aber trotzdem noch irgendwo Serafins typische Züge. In Serafin verpflanze ich meine Sehnsüchte.

Nach den handschriftlichen Version kam eine erneute handschriftliche - diesmal in drei Heftern, alle unvollendet und unkoordiniert. Serafin hatte sich wenig verändert, ebenso Cerch, und Kira gab es in der gleichen Form. Neu war Tirn - ein Vampir, den die Gefährten zufällig treffen und der sich als hilfreicher Führer entpuppt.

Das war auch der Zeitpunkt von Aileens Geburt - Aileen, die damals noch Isilme hieß. Die Grundzüge sind dieselben, aber verändert hat sich trotzdem viel.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, sind es überhaupt alle Charaktere, die schon in gewisser Form in meinen alten Versuchen auftauchten.

Und die Geschichte entwickelt sich immer weiter - aber ich denke, ich bin bei der Welt angekommen, die ich gut finde und die ich beenden werde. Zwischendrin gab es eine andere Version auf dem Computer (Laptop - er heißt Chichiri), 46 Seiten lang. Mittlerweile entwickel ich ein Konzept. Es wird länger, es wird tiefgründiger, die Charakter verändern sich mit allem, was sich an mir verändert, mit jedem Buch, das ich lese. Es ist schwierig, sie zu schreiben, diese Geschichte.

Aber ich werde es schaffen. Ich will, dass sie gelesen wird, weil ich der festen Überzeugung bin, dass sie sehr gut ist. Das mag eingebildet klingen - aber diese Geschichte ist das einzige, woran ich wirklich mit Feuereifer arbeiten kann und will. Sie ist es, die der größte Teil von mir ausmacht, sie ist es, die mein Denken beeinflusst und die in meinen Gedanken ständig anwesend ist. Serafin verkörpert meine Sehnsüchte und Träume, Aica meine Ängste, Aileen meine schlechten Seiten, Kira alle Seiten, die ich auch besitzen will, Nemo (der früher Tirn hieß) besitzt einen Teil von mir, wie ich einmal sein möchte, Jari die selbstlose und tröstende Seite, die ich versuche, mir anzueignen, und die ich mag, und in Rune steckt meine kalte Seite. Die Seite, der so viele Dinge gleichgültig sind.

Und die Auffassung der Welt ist ein Gedanke, vor dem ich Angst habe. Existenzen, direkt vor unseren Augen, aber nicht für uns erkennbar. Das Schicksal, dass nicht in unseren Händen liegt.

Wer weiß, wohin das noch führt? Der größte Teil liegt noch vor mir.

Aktueller Status: 101 Seiten, 53 038 Wörter

Dienstag, 13. Oktober 2009

Studienraum

Sie sitzt im Pausenraum, wo sie immer sitzt. Nicht, wo alle rumhängen, nicht auf dem Hof, sonder hier – von ihnen allen nur Studienraum genannt.

In jeder Pause sind sie hier. Die Jungs – drei von ihnen aus ihrer Klasse, die anderen aus den Parallelklassen, zwei von ihnen eine Stufe tiefer – und sie.
Kumpel. Sie haben zusammen gegrillt, sie machen zusammen die Hausaufgaben, sie unterhalten sich über Gott und die Welt. Nicht alle, aber einige von ihnen, schreiben zusammen eine Geschichte. Nichts wirklich Gutes, es ist zu unkoordiniert, zu unübersichtlich – aber sie schreiben zusammen.

Jeden von ihnen mag sie gern. Einen von ihnen kennt sie schon seit der Grundschule. Fabian ist ein Selbstdarsteller, er ist egoistisch und scheint noch mitten in der Pubertät zu sein.

Er rülpst laut, niemand reagiert, nur sie wirft ihm einen angeekelten Blick zu. Er grinst – er ist stolz darauf.

In jedem Fach, das sie zusammen haben, sitzen sie nebeneinander. Wenn es nach ihr ginge, hätte sie sich auch lieber einen anderen Sitznachbarn gesucht, ab und an mal neben Beate oder Freddie. Aber als die Sitzordnung am Schuljahresanfang festgelegt wurde, wollte er neben ihr sitzen. Weil er sonst allein sitzen würde.

Die Jungs unterhalten sich, und dank Fabians Kommentaren gleitet die Unterhaltung in perverse Gebiete ab. Sie hört, wie er Kommentare in ihre Richtung wirft – aber ihr fällt keine passende Erwiderung ein, wie immer. Also sieht sie nur kurz in seine Richtung und streckt ihm die Zunge raus. Ihn zu ignorieren hätte nur zur Folge, dass er sie immer mehr auf sich aufmerksam machen will.

Er macht keinen Hehl daraus, was er von ihr hält – von ihrem Äußeren.

Montag, erste Stunde – Schwedisch. Sie ist immer als Erste da. Er kommt irgendwann später, wenn die meisten eintrudeln. So, wie er immer ist, immer mit den anderen. Niemals allein. Er braucht Bestätigung. Für Selbstständigkeit ist er noch nicht gemacht. Auch, wenn er es immer hinausschreit, es ist ihm nicht egal, was die anderen denken.
„Du siehst komisch heute aus. Vor allem deine Haare.“
Sie zuckt nur mit den Schultern.
Was soll sie darauf antworten?

Vom restlichen Studienraum ist niemand wie er. Sie alle behandeln sie mit Freundlichkeit, wie einen Kumpel, und sie ist dankbar dafür. Sie hält sich gerne hier auf, noch mehr, wenn sie sich in Ruhe mit den anderen unterhalten kann. Sobald er sieht, dass sie sich mit einem von ihnen unterhält, kommt er hinzu, und das Gespräch verläuft im Sande.

Manchmal weiß sie nicht, ob sie lachen oder weinen soll.