Ein sonniger Freitag, warm und leicht windig. Nachmittag, die Schule nur bis halb zwei, danach gleich in die Stadt.
Und nun nicht nur das angenehme Gewicht der neuen Sonata Arctica - CD ("The Days of Grays") im Rucksack, nicht nur das angenehme Gewicht zweier neu erworbener Mangas ("Bakuman"-Band 1 und "Ludwig Revolution"-Band 3) im Rucksack - auch das noch bessere Gefühl der Packschachtel dort drinnen, verpackt in eine blaue Tüte aus dem Handyladen.
Sogar mit Kamera, die das andere nicht hatte. Zum Aufklappen und massig Speicherplatz, wenngleich schon ein etwas unaktuelles Modell.
Aber das aktuellste, das ich je hatte.
Während ich so die Fußgängerzone entlanglaufe, kann ich mir mein Dauergrinsen nicht verkneifen.
Samstag, 19. September 2009
Mittwoch, 2. September 2009
Freude kommt vor dem Fall
Es sollte das erste, richtig moderne, in meinen Augen wirklich schicke Handy sein - ein Wunschhandy. Ein Handy, das ich wollte.
Mein erstes war das seit Jahren unbenutze, allererste Mobiltelefon meiner Mutter: Samsung, zum Aufklappen, kein farbiges Display, keine Spiele, keine Extras, keine Kameras. Nur Telefonieren und SMS. Der Akku hielt einen halben Tag lang, die staubgraue Farbe war zur Hälfe bereits abgenutzt, die herausziehbare Antenne ausgeleiert.
Danach kam das zweite Handy meiner Mutter, ebenfalls uralt - vor einem halben Jahr bekam sie das Neueste von Neuem, es war gerade erst auf den Markt gekommen, und ihre alten, halb kaputten Handys waren für sie seitdem kein Thema mehr.
Ich erhielt also ein "Neues". Keine wirkliche Steigerung, aber ich war zufrieden - der Akku hielt drei Tage lang.
Und ich versuchte mir weiterhin einzureden, dass ich zufrieden war damit. Denn ich sah die anderen, modernen, wirklich schicken Handys: Flach, sodass die Hosentasche keine Beule wurde, elegant zum Aufklappen, neu und die Farbe noch nicht abgeblättert, Farbdisplays und Akku, die den meinen weit in den Schatten stellten.
Und ich sah das Handy meiner besten Freundin, ein Motorola. Mag Samsung, Sony Erikson oder Nokia noch so gut sein, für mich stand immer fest, dass ich Motorola am liebsten mochte. Am allerallerallerliebsten die Klapphandys. Und das war für mich immer ein jahrelang gehegter, nie wirklich ernst genommener und nie ausgesprochener Wunsch. Vor allem gegenüber den Eltern, die dann zu sagen pflegten: "Wieso, du brauchst doch gar kein modernes Handy."
Und jetzt, kurz vor meinen achtzehnten Geburtstag, der Entschluss, sich diesen Traum mit dem eigenen Geld zu erfüllen, damit es das erste Handy ist, was WIRKLICH mir gehört. Ein Motorola W270, Auslaufmodell, ohne Kamera, vom Kumpel (Sony Ericcson -Fan) als unmodern, hässlich, zu teuer und sowieso total doof beurteilt und von mir hartnäckig verteidigt. Bestellt, bezahlt ... und sich dann eine Woche lang wie blöd darauf gefreut. Ständig darauf gewartet und schon nach einer passenden Schutzhülle Ausschau gehalten.
Und dann kam der Fall in Form einer E-Mail:
"Wir bedauern, ihnen den bestellten Artikel nicht liefern zu können, da er nicht mehr vorrätig ist. Für eine Rückerstattung des Kaufertrages senden Sie uns bitte Kreditkartennummer..."
Und jetzt ist die Enttäuschung.
Mein erstes war das seit Jahren unbenutze, allererste Mobiltelefon meiner Mutter: Samsung, zum Aufklappen, kein farbiges Display, keine Spiele, keine Extras, keine Kameras. Nur Telefonieren und SMS. Der Akku hielt einen halben Tag lang, die staubgraue Farbe war zur Hälfe bereits abgenutzt, die herausziehbare Antenne ausgeleiert.
Danach kam das zweite Handy meiner Mutter, ebenfalls uralt - vor einem halben Jahr bekam sie das Neueste von Neuem, es war gerade erst auf den Markt gekommen, und ihre alten, halb kaputten Handys waren für sie seitdem kein Thema mehr.
Ich erhielt also ein "Neues". Keine wirkliche Steigerung, aber ich war zufrieden - der Akku hielt drei Tage lang.
Und ich versuchte mir weiterhin einzureden, dass ich zufrieden war damit. Denn ich sah die anderen, modernen, wirklich schicken Handys: Flach, sodass die Hosentasche keine Beule wurde, elegant zum Aufklappen, neu und die Farbe noch nicht abgeblättert, Farbdisplays und Akku, die den meinen weit in den Schatten stellten.
Und ich sah das Handy meiner besten Freundin, ein Motorola. Mag Samsung, Sony Erikson oder Nokia noch so gut sein, für mich stand immer fest, dass ich Motorola am liebsten mochte. Am allerallerallerliebsten die Klapphandys. Und das war für mich immer ein jahrelang gehegter, nie wirklich ernst genommener und nie ausgesprochener Wunsch. Vor allem gegenüber den Eltern, die dann zu sagen pflegten: "Wieso, du brauchst doch gar kein modernes Handy."
Und jetzt, kurz vor meinen achtzehnten Geburtstag, der Entschluss, sich diesen Traum mit dem eigenen Geld zu erfüllen, damit es das erste Handy ist, was WIRKLICH mir gehört. Ein Motorola W270, Auslaufmodell, ohne Kamera, vom Kumpel (Sony Ericcson -Fan) als unmodern, hässlich, zu teuer und sowieso total doof beurteilt und von mir hartnäckig verteidigt. Bestellt, bezahlt ... und sich dann eine Woche lang wie blöd darauf gefreut. Ständig darauf gewartet und schon nach einer passenden Schutzhülle Ausschau gehalten.
Und dann kam der Fall in Form einer E-Mail:
"Wir bedauern, ihnen den bestellten Artikel nicht liefern zu können, da er nicht mehr vorrätig ist. Für eine Rückerstattung des Kaufertrages senden Sie uns bitte Kreditkartennummer..."
Und jetzt ist die Enttäuschung.
Mittwoch, 19. August 2009
W
Wer bist du?
Getting a cat, somewhen.
Writing storys, finishing "Black Lapislazuli" while being young.
Publishing some, getting money with some, having many people read them somewhere, and if it´s just the i-net.
Getting a little flat near here, travel to australia and scotland and america and japan and china.
Writing articles about many, many things, things like climate changing, budhism, humanity and its seven sins, the useless fight against a warmer, then colder clima, a fight that can´t be won...
Discovering the world, its people and its history, travel and travel and travel... while not knowing who I am.
Who are you?
I don´t know. I want to spend my lifetime finding it out.
´Cause that is what Life´s for: Discovering and Exploring everything. See what you are, what humans are, what universe is. What living is.
Life means to find out what living means.
Who are you?
Once I found the best possible answer, I won´t mind that I will die someday. Like everyone does.
Getting a cat, somewhen.
Writing storys, finishing "Black Lapislazuli" while being young.
Publishing some, getting money with some, having many people read them somewhere, and if it´s just the i-net.
Getting a little flat near here, travel to australia and scotland and america and japan and china.
Writing articles about many, many things, things like climate changing, budhism, humanity and its seven sins, the useless fight against a warmer, then colder clima, a fight that can´t be won...
Discovering the world, its people and its history, travel and travel and travel... while not knowing who I am.
Who are you?
I don´t know. I want to spend my lifetime finding it out.
´Cause that is what Life´s for: Discovering and Exploring everything. See what you are, what humans are, what universe is. What living is.
Life means to find out what living means.
Who are you?
Once I found the best possible answer, I won´t mind that I will die someday. Like everyone does.
Donnerstag, 13. August 2009
Black Lapislazuli - Prolog
Ja, der Prolog. Nur ein Auszug von allem, und wahrscheinlich eh nicht besser als der restliche Rest. Nichtsdestotrotz - mir gefällt er sehr gut. Trotzdem, keine Ahnung, wieso ich ausgerechnet das hier veröffentliche. Wer weiß, ob diese Geschichte jemals fertig wird. Bei jemandem wie mir würde es mich nicht wundern, wenn nicht.
Ich bin für Kritik offen. Wenn denn jemand bei dieser Mittelmäßigkeit das Bedürfnis danach verspüren sollte.
Nebel hing in den Wäldern, die Sonnenstrahlen bahnten sich nur gedämpft ihren Weg zwischen den hellen, fast silbernen Bäumen hindurch, malten Lichtflecke auf die weiße Decke, die die Erde bedeckte. Der Nebel ließ die gesamte Welt blass und unwirklich erscheinen, wie in einem Traum, und versteckte die Sonne selbst vor den Augen der beiden Wanderer, deren leise Schritte das einzige Geräusch waren, was die ansonsten vollkommene Stille des Waldes störte.
Es waren ein hochgewachsener Mann, der anscheinend gerade erst den Übergang vom Kind zum Mann erlebt hatte, denn seine Gesichtszüge waren noch jung, ebenso sein Körper. Er schien körperliche Anstrengungen gewohnt zu sein, doch war sein Körperbau eher schlank. Bei ihm, die kleine Hand fest in seine Faust gesteckt, war ein kleines Mädchen mit roten Haaren. Die Haare reichten ihr bis zum Kinn, waren rot wie Erdbeeren, fielen unordentlich und verfilzt über den dicken Schal, den sie sich um den Hals gebunden hatte, ebenso schmutzig und zerschlissen wie ihr dicker Mantel und die zu großen Stiefel, die sie trug.
Auch die Kleidung des jungen Mannes war schon sehr abgenutzt, seine Stiefel hingegen waren dick und warm, hinterließen kaum ein Geräusch auf dem verschneiten Waldboden. Doch die Kleine konnte ihre Schritte nicht mehr verbergen, sie war müde, und er sah das. Immer wieder sah er sich unauffällig um, hatte er doch das Gefühl, dass sie beobachtet wurden. Doch der Nebel und das diffuse Licht schien seinen Sinnen Streiche zu spielen.
Er sah Schatten in den Augenwinkeln, doch wenn er genauer hinsah, waren dort nur die silbernen Baumstämme.
Er hörte ein leises Flüstern in dem Wind, obwohl die Bäume keine Blätter trugen und auch kein einziges Lüftchen wehte an diesem eiskalten Wintertag.
Er hörte Schritte, doch wenn er stehen blieb, um zu horchen, klangen auch diese Schritte noch einen Moment lang, bis sie verstummten und kurze Zeit, nachdem er weiterging, erneut einsetzten.
Er spürte die kalte Hand seiner kleinen Schwester in seiner und umklammerte sie nur noch fester. Niemand würde sie bekommen.
Niemand würde ihr je etwas zuleide tun, solange er lebte. Als ihre Eltern gestorben waren, hatte er am Sterbebett seiner Mutter geschworen, die Kleine zu beschützen, um jeden Preis. Nicht nur um dessen willen, was sie war. Sondern um zu verhindern, dass ihr Leid zugefügt wurde, nur weil sie geboren worden war.
Er warf dem kleinen Mädchen einen kurzen Blick zu. Als sie ihn ansah, lächelte sie, einen schwarzen Fleck auf der Nase, wo sie sich mit ihren schmutzigen Fingern das Jucken vertrieben hatte, die Augen müde, doch immer noch voller Vertrauen und Hoffnung.
„Bist du müde?“, fragte er leise und blieb stehen. Wärme wallte in ihm auf, er liebte seine kleine Schwester so sehr.
Sie brauchte ihn doch.
„Nein, mir geht´s gut, großer Bruder.“, antwortete sie nur mit einem Lächeln, durch das sie wohl nicht nur ihren Bruder, sondern auch sich selbst von ihrem Worten überzeugen wollte. „Ich kann noch weiterlaufen.“
Einen kurzen Moment lang lächelte er, doch dann beugte er sich hinunter und nahm sie in die Arme. Auf dem Rücken wollte er sie nicht tragen, wollte sie nicht ungehindert der Gefahr ihres Verfolgers aussetzen.
„Schon gut, du musst nicht lügen, wenn du müde bist.“, sagte er leise. „Ruh dich aus- wenn du aufwachst, wird alles ein wenig besser aussehen.“
Kurz zögerte das kleine Mädchen, doch dann schlang sie ihre dünnen Arme um den Hals ihres Bruders und schmiegte sich an ihn.
Bitte, betete er. Bitte beschützt sie… irgendwer. Lasst sie nicht leiden. Beschützt sie…
Er wartete einige Minuten, während der er so leise wie möglich weiterging. Die Schritte hinter ihm blieben.
Doch er ignorierte sie. Bis er etwas vor sich sah: Einen Vogel. Einen Falken, mit Gefieder in vielen verschiedenen Brauntönen, aber klaren, blauen Augen, was für einen solchen Vogel äußerst ungewöhnlich war. Der Falke saß ruhig auf einem Ast, dem Ast einer alten, mächtigen Eiche, der einzigen in diesem Wald, die sich durch die dicken, knorrigen Äste von den anderen, silberglänzenden, schlanken Bäumen unterschied. Als der junge Mann mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm näher trat, vorsichtig, die Augen staunend auf den Vogel geheftet, blieb das Tier nur ruhig sitzen und ließ die beiden nicht einmal aus den Augen.
„Du bist einer von ihnen, nicht wahr?“, flüsterte der Mann, so leise, dass nur der Vogel ihn verstehen konnte. „Du bist einer von jenen, die ihr einmal folgen werden, oder?“
Der Vogel schwieg, blinzelte jedoch nicht einmal. Seine klaren Augen schienen direkt in die des armen Landstreichers hineinzuleuchten.
Vorsichtig löste der Mann die Umarmung seiner Schwester und legte sie am Fuß der Eiche, unter dem Vogel, ab, der dieses Tun nach wie vor ungerührt verfolgte. Mit einem letzten Blick auf sie nahm er sein Amulett ab, das einzige, was ihm und ihr noch von ihren Eltern und ihrem alten Leben geblieben war, und legte es stattdessen ihr um.
„Bitte, bringe sie in Sicherheit. Beschütze sie. Ich weiß, dass du es kannst. Wir können nicht beide fliehen, aber du kannst sie retten! Ihr darf kein Leid geschehen, sie soll lachen können! Ich bitte dich darum, mit allem, was ich habe, mit allem, was ich verloren habe. Beschütze sie mit allen Mitteln, bis die Zeit gekommen ist.“
Der Vogel sah den Mann nur an.
Hinter ihnen, vor ihnen, von allen Seiten kamen auf einmal Kapuzengestalten aus dem Schatten getreten. Sie alle trugen die gleichen langen Kapuzenumhänge, grau wie die Stämme der Bäume, wenn sie in die Sonne traten, schwarz wie die Schatten der Nacht, wenn das Licht schwand.
Sie hatten einen Kreis um den Mann gebildet, jeder eine Hand erhoben und die innere Handfläche auf den Landstreicher gerichtet. Er spürte die Magie, die von ihnen ausging, wie eine unsichtbare Wand, die sich immer mehr gegen ihn drückte.
„Rette sie!“, flüsterte er, beinahe unhörbar leise, und wandte sich um, den Feinden entgegen.
„Und mach, dass sie mich vergisst!“
Der Falke breitete die Schwingen aus, war im Nu seine ursprüngliche Form wieder angenommen, breitete die Arme aus, von denen ein Licht ausging und das schlafende Mädchen umfing, und verschwand zusammen mit ihr.
Der Mann blieb alleine zurück, umzingelt von den Feinden.
Für einige Sekunden blickte er gen Himmel, in die kargen Äste der silbern schimmernden Bäume, und beobachtete zum letzten Mal in seinem Leben das Spiel der Sonnenstrahlen, die der Nebel so unwirklich schön erschienen ließ.
Von den Handflächen der Kapuzengestalten schoss je ein schmaler Strahl aus Dunkelheit hervor, die den Mann durchbohrten. Den Blick weiterhin zum Himmel gerichtet, schickte er eine letzte Bitte an das Schicksal.
Und im letzten Licht der kalten Wintersonne starb er.
Ich bin für Kritik offen. Wenn denn jemand bei dieser Mittelmäßigkeit das Bedürfnis danach verspüren sollte.
Nebel hing in den Wäldern, die Sonnenstrahlen bahnten sich nur gedämpft ihren Weg zwischen den hellen, fast silbernen Bäumen hindurch, malten Lichtflecke auf die weiße Decke, die die Erde bedeckte. Der Nebel ließ die gesamte Welt blass und unwirklich erscheinen, wie in einem Traum, und versteckte die Sonne selbst vor den Augen der beiden Wanderer, deren leise Schritte das einzige Geräusch waren, was die ansonsten vollkommene Stille des Waldes störte.
Es waren ein hochgewachsener Mann, der anscheinend gerade erst den Übergang vom Kind zum Mann erlebt hatte, denn seine Gesichtszüge waren noch jung, ebenso sein Körper. Er schien körperliche Anstrengungen gewohnt zu sein, doch war sein Körperbau eher schlank. Bei ihm, die kleine Hand fest in seine Faust gesteckt, war ein kleines Mädchen mit roten Haaren. Die Haare reichten ihr bis zum Kinn, waren rot wie Erdbeeren, fielen unordentlich und verfilzt über den dicken Schal, den sie sich um den Hals gebunden hatte, ebenso schmutzig und zerschlissen wie ihr dicker Mantel und die zu großen Stiefel, die sie trug.
Auch die Kleidung des jungen Mannes war schon sehr abgenutzt, seine Stiefel hingegen waren dick und warm, hinterließen kaum ein Geräusch auf dem verschneiten Waldboden. Doch die Kleine konnte ihre Schritte nicht mehr verbergen, sie war müde, und er sah das. Immer wieder sah er sich unauffällig um, hatte er doch das Gefühl, dass sie beobachtet wurden. Doch der Nebel und das diffuse Licht schien seinen Sinnen Streiche zu spielen.
Er sah Schatten in den Augenwinkeln, doch wenn er genauer hinsah, waren dort nur die silbernen Baumstämme.
Er hörte ein leises Flüstern in dem Wind, obwohl die Bäume keine Blätter trugen und auch kein einziges Lüftchen wehte an diesem eiskalten Wintertag.
Er hörte Schritte, doch wenn er stehen blieb, um zu horchen, klangen auch diese Schritte noch einen Moment lang, bis sie verstummten und kurze Zeit, nachdem er weiterging, erneut einsetzten.
Er spürte die kalte Hand seiner kleinen Schwester in seiner und umklammerte sie nur noch fester. Niemand würde sie bekommen.
Niemand würde ihr je etwas zuleide tun, solange er lebte. Als ihre Eltern gestorben waren, hatte er am Sterbebett seiner Mutter geschworen, die Kleine zu beschützen, um jeden Preis. Nicht nur um dessen willen, was sie war. Sondern um zu verhindern, dass ihr Leid zugefügt wurde, nur weil sie geboren worden war.
Er warf dem kleinen Mädchen einen kurzen Blick zu. Als sie ihn ansah, lächelte sie, einen schwarzen Fleck auf der Nase, wo sie sich mit ihren schmutzigen Fingern das Jucken vertrieben hatte, die Augen müde, doch immer noch voller Vertrauen und Hoffnung.
„Bist du müde?“, fragte er leise und blieb stehen. Wärme wallte in ihm auf, er liebte seine kleine Schwester so sehr.
Sie brauchte ihn doch.
„Nein, mir geht´s gut, großer Bruder.“, antwortete sie nur mit einem Lächeln, durch das sie wohl nicht nur ihren Bruder, sondern auch sich selbst von ihrem Worten überzeugen wollte. „Ich kann noch weiterlaufen.“
Einen kurzen Moment lang lächelte er, doch dann beugte er sich hinunter und nahm sie in die Arme. Auf dem Rücken wollte er sie nicht tragen, wollte sie nicht ungehindert der Gefahr ihres Verfolgers aussetzen.
„Schon gut, du musst nicht lügen, wenn du müde bist.“, sagte er leise. „Ruh dich aus- wenn du aufwachst, wird alles ein wenig besser aussehen.“
Kurz zögerte das kleine Mädchen, doch dann schlang sie ihre dünnen Arme um den Hals ihres Bruders und schmiegte sich an ihn.
Bitte, betete er. Bitte beschützt sie… irgendwer. Lasst sie nicht leiden. Beschützt sie…
Er wartete einige Minuten, während der er so leise wie möglich weiterging. Die Schritte hinter ihm blieben.
Doch er ignorierte sie. Bis er etwas vor sich sah: Einen Vogel. Einen Falken, mit Gefieder in vielen verschiedenen Brauntönen, aber klaren, blauen Augen, was für einen solchen Vogel äußerst ungewöhnlich war. Der Falke saß ruhig auf einem Ast, dem Ast einer alten, mächtigen Eiche, der einzigen in diesem Wald, die sich durch die dicken, knorrigen Äste von den anderen, silberglänzenden, schlanken Bäumen unterschied. Als der junge Mann mit dem kleinen Mädchen auf dem Arm näher trat, vorsichtig, die Augen staunend auf den Vogel geheftet, blieb das Tier nur ruhig sitzen und ließ die beiden nicht einmal aus den Augen.
„Du bist einer von ihnen, nicht wahr?“, flüsterte der Mann, so leise, dass nur der Vogel ihn verstehen konnte. „Du bist einer von jenen, die ihr einmal folgen werden, oder?“
Der Vogel schwieg, blinzelte jedoch nicht einmal. Seine klaren Augen schienen direkt in die des armen Landstreichers hineinzuleuchten.
Vorsichtig löste der Mann die Umarmung seiner Schwester und legte sie am Fuß der Eiche, unter dem Vogel, ab, der dieses Tun nach wie vor ungerührt verfolgte. Mit einem letzten Blick auf sie nahm er sein Amulett ab, das einzige, was ihm und ihr noch von ihren Eltern und ihrem alten Leben geblieben war, und legte es stattdessen ihr um.
„Bitte, bringe sie in Sicherheit. Beschütze sie. Ich weiß, dass du es kannst. Wir können nicht beide fliehen, aber du kannst sie retten! Ihr darf kein Leid geschehen, sie soll lachen können! Ich bitte dich darum, mit allem, was ich habe, mit allem, was ich verloren habe. Beschütze sie mit allen Mitteln, bis die Zeit gekommen ist.“
Der Vogel sah den Mann nur an.
Hinter ihnen, vor ihnen, von allen Seiten kamen auf einmal Kapuzengestalten aus dem Schatten getreten. Sie alle trugen die gleichen langen Kapuzenumhänge, grau wie die Stämme der Bäume, wenn sie in die Sonne traten, schwarz wie die Schatten der Nacht, wenn das Licht schwand.
Sie hatten einen Kreis um den Mann gebildet, jeder eine Hand erhoben und die innere Handfläche auf den Landstreicher gerichtet. Er spürte die Magie, die von ihnen ausging, wie eine unsichtbare Wand, die sich immer mehr gegen ihn drückte.
„Rette sie!“, flüsterte er, beinahe unhörbar leise, und wandte sich um, den Feinden entgegen.
„Und mach, dass sie mich vergisst!“
Der Falke breitete die Schwingen aus, war im Nu seine ursprüngliche Form wieder angenommen, breitete die Arme aus, von denen ein Licht ausging und das schlafende Mädchen umfing, und verschwand zusammen mit ihr.
Der Mann blieb alleine zurück, umzingelt von den Feinden.
Für einige Sekunden blickte er gen Himmel, in die kargen Äste der silbern schimmernden Bäume, und beobachtete zum letzten Mal in seinem Leben das Spiel der Sonnenstrahlen, die der Nebel so unwirklich schön erschienen ließ.
Von den Handflächen der Kapuzengestalten schoss je ein schmaler Strahl aus Dunkelheit hervor, die den Mann durchbohrten. Den Blick weiterhin zum Himmel gerichtet, schickte er eine letzte Bitte an das Schicksal.
Und im letzten Licht der kalten Wintersonne starb er.
Mittwoch, 12. August 2009
Heilig deine Glocken
Heilig deine Glocken, heilig seiest du, heilig sei dein Tempel.
Notre Dame.
Deine Heiligen starren auf mich herab, starren in meine Augen und klagen mich an.
Deine Zeugen starren mich an, ich kann nichts verleugnen.
Leugnen nicht, vor einer Heiligen wie dir.
Vergeben, ja? Leben nach dem Tod, ja? Ewiges Leben der Seele, ja?
Deine steinernen Heiligen können mir sonst was erzählen. Deine Wasserspeier mich mit ihren Fratzen so viel verfolgen, wie so wollen, so sehr bespucken, wie sie wollen.
Alles, was deine Glocken versprechen, was deine Heiligen von mir verlangen, ist Lüge.
Mag sein, dass du Paradies bringst. Aber für mich gibt es dieses Paradies nicht mehr.
Diesen starrenden Blicken kann ich nicht mehr entfliehen.
Wer unschuldiges Blut auf den Stufen Notre Dames vergießt, der kann nicht mehr leugnen vor den Augen Notre Dames.
Man kann sich selbst belügen, man kann die seinen belügen, aber nicht sie.
Wie sollen vor dir alle gleich sein, wenn man schon auf Erden zwischen Sündern und Rechten unterscheidet?
Wer weiß, ob es dich gibt.
Aber irgendwo gehören doch auch wir dazu, oder?
Ich will ja gar nicht viel.
Ich will ja gar nicht einmal in den Himmel.
Hätte auch gar keinen Zweck, ha!
Jedenfalls jetzt nicht mehr.
Aber es gibt andere, für die es noch nicht zu spät ist.
Du musst ja gar nicht alle in den Himmel holen. Wäre ja ein ganz schönes Gedränge da oben.
Aber wenigstens für die paar Jahre hier auf Erden kannst du doch mal den Arsch bewegen, oder?
Nicht für mich.
Für mich, das wäre ja auch zu viel verlangt.
Dein Licht überstrahlt alles. Selbst mich. Die Dunkelheit kuscht vor dir, so hell scheinst du. Und in der Dunkelheit sind jene, die du nicht sehen willst. Kein Wunder, dass du es auch nicht tust.
Wir sind jene, die hier draußen stehen und dein Licht betrachten. Die Schatten, von denen du nur schnell die Augen abwendest, denn wir sind nur Gespenster. Wir gehören nicht in dein Licht.
Findest du das gerecht?
Es schmerzt, verdammt, es tut weh!
Kannst du nicht wenigstens das alles verkürzen?
Hier draußen sitze ich. Selbst jetzt bin ich ausgestoßen, selbst sterben muss ich draußen, auf den Stufen.
Es ist Nacht.
Nicht einmal sterben darf ich im Licht.
Wenn es dort wirklich so auserwählt zugeht, bin ich in der Nacht wirklich besser aufgehoben.
Ja, es schmerzt… aber trotzdem tust du nichts. Du siehst zu, du starrst mich anklagend an.
Tja.
Tut mir Leid. Kein Samt, keine Seide, keine weißen Leinen über diesen Wunden, mein Blut über und über auf deinen heiligen Stufen. Stattdessen schäbiger Stoff, überall zerrissen und nur für warme Temperaturen geeignet.
Ob ich jetzt sterbe oder im nächsten Winter – es ist egal.
Ja.
Du freust dich … bestimmt darüber …
Scheiße, es tut so weh … so sehr …
Notre Dame.
Deine Heiligen starren auf mich herab, starren in meine Augen und klagen mich an.
Deine Zeugen starren mich an, ich kann nichts verleugnen.
Leugnen nicht, vor einer Heiligen wie dir.
Vergeben, ja? Leben nach dem Tod, ja? Ewiges Leben der Seele, ja?
Deine steinernen Heiligen können mir sonst was erzählen. Deine Wasserspeier mich mit ihren Fratzen so viel verfolgen, wie so wollen, so sehr bespucken, wie sie wollen.
Alles, was deine Glocken versprechen, was deine Heiligen von mir verlangen, ist Lüge.
Mag sein, dass du Paradies bringst. Aber für mich gibt es dieses Paradies nicht mehr.
Diesen starrenden Blicken kann ich nicht mehr entfliehen.
Wer unschuldiges Blut auf den Stufen Notre Dames vergießt, der kann nicht mehr leugnen vor den Augen Notre Dames.
Man kann sich selbst belügen, man kann die seinen belügen, aber nicht sie.
Wie sollen vor dir alle gleich sein, wenn man schon auf Erden zwischen Sündern und Rechten unterscheidet?
Wer weiß, ob es dich gibt.
Aber irgendwo gehören doch auch wir dazu, oder?
Ich will ja gar nicht viel.
Ich will ja gar nicht einmal in den Himmel.
Hätte auch gar keinen Zweck, ha!
Jedenfalls jetzt nicht mehr.
Aber es gibt andere, für die es noch nicht zu spät ist.
Du musst ja gar nicht alle in den Himmel holen. Wäre ja ein ganz schönes Gedränge da oben.
Aber wenigstens für die paar Jahre hier auf Erden kannst du doch mal den Arsch bewegen, oder?
Nicht für mich.
Für mich, das wäre ja auch zu viel verlangt.
Dein Licht überstrahlt alles. Selbst mich. Die Dunkelheit kuscht vor dir, so hell scheinst du. Und in der Dunkelheit sind jene, die du nicht sehen willst. Kein Wunder, dass du es auch nicht tust.
Wir sind jene, die hier draußen stehen und dein Licht betrachten. Die Schatten, von denen du nur schnell die Augen abwendest, denn wir sind nur Gespenster. Wir gehören nicht in dein Licht.
Findest du das gerecht?
Es schmerzt, verdammt, es tut weh!
Kannst du nicht wenigstens das alles verkürzen?
Hier draußen sitze ich. Selbst jetzt bin ich ausgestoßen, selbst sterben muss ich draußen, auf den Stufen.
Es ist Nacht.
Nicht einmal sterben darf ich im Licht.
Wenn es dort wirklich so auserwählt zugeht, bin ich in der Nacht wirklich besser aufgehoben.
Ja, es schmerzt… aber trotzdem tust du nichts. Du siehst zu, du starrst mich anklagend an.
Tja.
Tut mir Leid. Kein Samt, keine Seide, keine weißen Leinen über diesen Wunden, mein Blut über und über auf deinen heiligen Stufen. Stattdessen schäbiger Stoff, überall zerrissen und nur für warme Temperaturen geeignet.
Ob ich jetzt sterbe oder im nächsten Winter – es ist egal.
Ja.
Du freust dich … bestimmt darüber …
Scheiße, es tut so weh … so sehr …
Dienstag, 7. Juli 2009
Leben.
Draußen ist es dunkel.
Nein, vielleicht wäre es dunkel. Wenn die Straßenlaternen nicht wären. Wenn die Lampen im Zimmer nicht wären.
Aber es ist Nacht. Ja. Nur die Sterne kann man nicht sehen.
Sie sitzt in einem Sessel und wartet.
Worauf?
Auf diesen einen Menschen – den einzigen Menschen, den sie in diesem Augenblick sehen will. Den einzigen. Ihn. Nur ihn.
Ihr Tod ist festgelegt. Der Zeitpunkt. Acht Uhr morgens. Jetzt ist es um neun, am Abend davor. Ihr Leben zieht mit jeder vertickenden Sekunde an ihr vorbei, aber sie wartet trotzdem nur.
Sie ist nicht krank. Aber sie hat beschlossen, zu sterben. Sie hat beschlossen, zu sterben, weil sie dann damit viele Menschen retten kann.
Und sie selbst hat eingewilligt, sich zum Tode zu verurteilen. Weil sie andere damit retten möchte.
Die Tabletten ruhen in einem durchsichtigen Plastikröhrchen in ihrer Hosentasche. Sie würde sie am liebsten herausholen und fortwerfen. Sie würde am liebsten rufen: Ich will nicht sterben! Ich werde nicht sterben!
Aber sie weiß, dass sie das nicht tun wird.
Der Zeiger auf der Uhr tickt immer weiter. Aber er kommt nicht.
Eine Nacht mit ihm war ihr Wunsch. Sie wollte nur eine Nacht lang allein mit ihm sein, und ungehindert mit ihm reden können. Wenigstens etwas, was sie nicht mit sich nehmen will. Wenigstens etwas, was sie noch tun wollte.
Sie sitzt im Sessel und wartet.
Im gleichen Zimmer sitzt ihre Mutter. Sie wird bei ihr bleiben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Tabletten nehmen wird.
Sie wollte es so. Aber mittlerweile ist sie sich nicht mehr sicher, ob es auf diese Art wirklich weniger weh tut.
Sie will nicht gehen. Sie will nicht verschwinden. Sie will hier bleiben, und weiterhin diejenige sein, die sie ist.
Die Sekunden ticken. Die Zeiger rücken.
Irgendwann steht sie auf. Ihre Mutter wacht auf, sie hat gedöst.
„Wo gehst du hin?“, fragt sie und springt sofort auf.
Jede Sekunde, die verbleibt…
Jede Minute, die verstreicht…
… kann sie nicht mehr bei ihnen sein.
„Ich will zu Manu.“, murmelt sie. „Vielleicht.... ist er ja noch wach.“
Wenn er nicht weiß, wie sehr sie auf ihn wartet, dann kann er nicht kommen.
Also geht sie zu ihm. Sie will ihr restliches Leben nicht wegen Unentschlossenheit verplempern.
Sie will leben. Sie will es spüren. Sie will nicht warten.
Und irgendwie wartet sie doch.
Die Klingel schellt. Einmal, zweimal. Dann Schritte, und Manu macht ihr auf.
Er ist wirklich noch wach, und er sieht sie sehr überrascht an. Kein Wunder. Sie war vorher noch nie hier bei ihm. Sie hat vorher noch nie engeren Kontakt zu ihm gehabt. Nur ab und zu ein paar Worte gewechselt.
„Na, das ist ja eine Überraschung.“, sagt er. „Ist irgendetwas? Kann ich dir helfen?“
Ja!, will sie rufen. Halt mich davon ab, die Tabletten zu nehmen! Halt mich davon ab! Halt mich einfach fest und lass es nicht zu! Mach, dass die Seuche verschwindet! Mach, dass die Ärzte sich geirrt haben!
Sie zögert kurz. Drängt die Tränen zurück.
Kein Zögern mehr. Hat sie das etwa schon vergessen?
„Ich… ich war nur in der Nähe und wollte Hallo sagen.“, murmelt sie. „Entschuldigung, wenn ich störe.“
Manu schüttelt den Kopf. „Ach, überhaupt nicht! Willst du reinkommen?“
Nur kurz.
„Was zu trinken?“
Sie schüttelt den Kopf, aber überlegt es sich dann anders. „Nur Wasser.“
Solange sie es noch kann, will sie spüren, dass sie am Leben ist.
My heart awakes.
Rotten to the core,
Full of smoke.
Sie redet mit ihm. Aber nur Smalltalk. Sie sagt absolut nichts von dem, was sie so unbedingt sagen möchte. Absolut nichts davon.
Als sie an der Tür steht und er sie wieder verabschiedet, fasst sie sich ein Herz und umarmt ihn.
„Danke für alles.“, murmelt sie. „Und entschuldige.“
Er sieht verwirrt aus. Natürlich.
„Wofür?“, fragt er.
Sie kann nicht anders, sie muss lächeln. Die letzten Stunden ihres Lebens, und sie verbringt sie damit, die Menschen, die ihr am wichtigsten sind, anzulügen.
Ein Lächeln beruhigt.
„Ach, nichts.“, sagt sie nur. „Dann bis Samstag. Du kommst doch zum Konzert?“
„Ja, klar. Bis dann.“
Halb im Gehen ruft er sie noch einmal zurück.
„Wir sehen uns Samstag, oder?“
Sie nickt nur. Sie hat Angst, ihre Stimme könnte versagen, wenn sie jetzt redet.
Das letzte Mal, dass sie ihn sieht.
Und alles, was sie zustande bringt, ist eine freundschaftliche Umarmung.
Dennoch… seine Wärme spürt sie immer noch auf der Haut.
Prompt spürt sie den Kloß im Halse. Die Tränen in den Augen, die Verzweiflung, die sie schüttelt.
Sie will nicht sterben. Sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich, und sie wird nie ein anderes bekommen. Sie hat nicht eines von all den Dingen erledigt, die sie so gerne tun wollte.
Ihre Geschichten werden nie beendet sein.
Ihre Gefühle werden den Menschen, die sie liebt, nie bekannt sein.
Ihr Leben wird hier auf der Erde niemals nennenswerte Spuren hinterlassen haben.
Sie wollte Bücher lesen.
Sie wollte die Welt kennenlernen.
Sie wollte lernen.
Mit einem Mal erscheint ihr die Prüfung, die sie bald geschrieben hätte, wie ein Klacks.
Farben ziehen an ihr vorbei. Gerüche. Sie sieht alle möglichen Ecken der Stadt, alle bei Nacht, erleuchtet.
Sie sieht das Leben hier pulsieren, und manchmal auch einfache Stille.
Ihre Mutter ist die ganze Zeit bei ihr. Sie hält sie bei der Hand, wie früher, als sie noch klein war.
Das wird nie mehr so sein.
Bald, denkt sie nur immer. Bald wird es anfangen zu wirken. Ich kann sie nicht alle anstecken. Ich will das nicht. Ich will sie nicht alle töten.
Und deshalb hat sie beschlossen zu sterben.
Ich will leben, verdammt! Warum kommt niemand? Warum hilft mir niemand? Warum kommt niemand und sagt mir, dass das alles einfach nur ein Riesenirrtum war?! Warum?!
Es ist ganz einfach. Nur zwei Tabletten schlucken.
Mehr nicht.
Cough.
Cough.
Cough.
Sie denkt an alle ihre Freunde.
Am Bahnhof, beim Umsteigen am frühen Morgen, sieht sie eine Freundin. Sie hat es eilig, ist auf dem Weg zur Schule, und ruft deshalb nur kurz und grinsend Hallo. Aber sie tut es so fröhlich. Sie hetzt, um noch rechtzeitig zu kommen. Sie schaut nicht nach links und rechts auf die kahlen Kachelwände.
Sie schaut ihr hinterher.
Sie will das auch sein. Sie will keine anderen Sorgen haben als Prüfungen.
Und es tut weh. Es tut weh, dieses fröhliche Gesicht zu sehen, dass nichts weiß. Nichts davon, was um acht Uhr morgens geschehen wird.
Niemand weiß etwas davon.
Nur sie, die Ärzte, ein paar andere.
Aber niemand ihrer Freunde.
Sie sitzt nun eine ganze Weile hier an der Haltestelle.
Leute hasten vorbei. Kinder plärren. Straßenbahnen fahren, Autos hupen, Fahrradfahrer klingeln.
Die Stadt lebt.
Sie kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, die ihr in diesem Moment über das Gesicht fließen, und kümmert sich nicht darum. Lehnt sich gegen die Schulter ihrer Mutter.
Sie weiß, dass es für sie auch schwer ist.
Sie nimmt das kleine Röhrchen aus ihrer Hosentasche und kippt die beiden kleinen Tabletten auf ihre Handfläche.
Einfach in den Mund nehmen und schlucken. Mehr nicht. Das ist alles.
Mehr nicht.
So einfach soll sterben sein?
Hier?
Ja. Hier. Nirgendwo sonst. Weil sie bis zum letzten Moment die Geräusche ihrer Stadt in sich aufnehmen will. Bis zum letzten Moment will sie die kühle Morgenluft spüren, will die Sonne auf ihrer Haut spüren und den Schatten.
Sonne. Leben.
Schatten. Tod.
Sie reibt die Tabletten zwischen den Fingerspitzen. Es ist bald acht Uhr.
Bitte, denkt sie. Bitte, Mama, schlag mir die Tabletten aus der Hand. Sag mir, ich soll das nicht tun. Beschütz mich. Es ist mir egal, was mit den anderen passiert, ich will leben.
Aber sie weiß genau, dass es ihr nicht egal ist.
It chokes.
Breaks apart.
That´s all it takes.
So einfach.
Sie denkt nicht mehr nach.
Sonne. Straßenbahn. Leben.
Sie nimmt das alles in sich auf, und ihr Kopf ist leer.
Hebt die Hand. Spürt die Tabletten auf der Zunge.
Sie sieht Manu auf sie zukommen. Er hat sie schon bemerkt und winkt ihr hektisch zu in dem Gewimmel. Kommt zu der Straßenbahnhaltestelle, wo sie sitzt.
Mama, denkt sie. Erklär es ihm, ich will nicht. Ich will das nicht sagen müssen.
Als er sich neben sie setzt, schluckt sie.
It´s gone.
„Guten Morgen.“, sagt er lächelnd.
Sein Lächeln, das sie immer so mochte. Sie schluchzt, und er macht ein bestürztes Gesicht, als sie sich gegen ihn lehnt und nur noch weint.
„Hey, was ist denn los? Was ist passiert?“
Sie klammert sich an seinen Arm. Sie spürt die Sonne auf der Haut nicht mehr. Sie hört die Leute nicht mehr. Die Autos nicht mehr.
Halt mich fest, denkt sie.
I´m gone.
Dann spürt sie nur noch, wie ihr Körper taub wird.
I´m dead.
Nein, vielleicht wäre es dunkel. Wenn die Straßenlaternen nicht wären. Wenn die Lampen im Zimmer nicht wären.
Aber es ist Nacht. Ja. Nur die Sterne kann man nicht sehen.
Sie sitzt in einem Sessel und wartet.
Worauf?
Auf diesen einen Menschen – den einzigen Menschen, den sie in diesem Augenblick sehen will. Den einzigen. Ihn. Nur ihn.
Ihr Tod ist festgelegt. Der Zeitpunkt. Acht Uhr morgens. Jetzt ist es um neun, am Abend davor. Ihr Leben zieht mit jeder vertickenden Sekunde an ihr vorbei, aber sie wartet trotzdem nur.
Sie ist nicht krank. Aber sie hat beschlossen, zu sterben. Sie hat beschlossen, zu sterben, weil sie dann damit viele Menschen retten kann.
Und sie selbst hat eingewilligt, sich zum Tode zu verurteilen. Weil sie andere damit retten möchte.
Die Tabletten ruhen in einem durchsichtigen Plastikröhrchen in ihrer Hosentasche. Sie würde sie am liebsten herausholen und fortwerfen. Sie würde am liebsten rufen: Ich will nicht sterben! Ich werde nicht sterben!
Aber sie weiß, dass sie das nicht tun wird.
Der Zeiger auf der Uhr tickt immer weiter. Aber er kommt nicht.
Eine Nacht mit ihm war ihr Wunsch. Sie wollte nur eine Nacht lang allein mit ihm sein, und ungehindert mit ihm reden können. Wenigstens etwas, was sie nicht mit sich nehmen will. Wenigstens etwas, was sie noch tun wollte.
Sie sitzt im Sessel und wartet.
Im gleichen Zimmer sitzt ihre Mutter. Sie wird bei ihr bleiben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Tabletten nehmen wird.
Sie wollte es so. Aber mittlerweile ist sie sich nicht mehr sicher, ob es auf diese Art wirklich weniger weh tut.
Sie will nicht gehen. Sie will nicht verschwinden. Sie will hier bleiben, und weiterhin diejenige sein, die sie ist.
Die Sekunden ticken. Die Zeiger rücken.
Irgendwann steht sie auf. Ihre Mutter wacht auf, sie hat gedöst.
„Wo gehst du hin?“, fragt sie und springt sofort auf.
Jede Sekunde, die verbleibt…
Jede Minute, die verstreicht…
… kann sie nicht mehr bei ihnen sein.
„Ich will zu Manu.“, murmelt sie. „Vielleicht.... ist er ja noch wach.“
Wenn er nicht weiß, wie sehr sie auf ihn wartet, dann kann er nicht kommen.
Also geht sie zu ihm. Sie will ihr restliches Leben nicht wegen Unentschlossenheit verplempern.
Sie will leben. Sie will es spüren. Sie will nicht warten.
Und irgendwie wartet sie doch.
Die Klingel schellt. Einmal, zweimal. Dann Schritte, und Manu macht ihr auf.
Er ist wirklich noch wach, und er sieht sie sehr überrascht an. Kein Wunder. Sie war vorher noch nie hier bei ihm. Sie hat vorher noch nie engeren Kontakt zu ihm gehabt. Nur ab und zu ein paar Worte gewechselt.
„Na, das ist ja eine Überraschung.“, sagt er. „Ist irgendetwas? Kann ich dir helfen?“
Ja!, will sie rufen. Halt mich davon ab, die Tabletten zu nehmen! Halt mich davon ab! Halt mich einfach fest und lass es nicht zu! Mach, dass die Seuche verschwindet! Mach, dass die Ärzte sich geirrt haben!
Sie zögert kurz. Drängt die Tränen zurück.
Kein Zögern mehr. Hat sie das etwa schon vergessen?
„Ich… ich war nur in der Nähe und wollte Hallo sagen.“, murmelt sie. „Entschuldigung, wenn ich störe.“
Manu schüttelt den Kopf. „Ach, überhaupt nicht! Willst du reinkommen?“
Nur kurz.
„Was zu trinken?“
Sie schüttelt den Kopf, aber überlegt es sich dann anders. „Nur Wasser.“
Solange sie es noch kann, will sie spüren, dass sie am Leben ist.
My heart awakes.
Rotten to the core,
Full of smoke.
Sie redet mit ihm. Aber nur Smalltalk. Sie sagt absolut nichts von dem, was sie so unbedingt sagen möchte. Absolut nichts davon.
Als sie an der Tür steht und er sie wieder verabschiedet, fasst sie sich ein Herz und umarmt ihn.
„Danke für alles.“, murmelt sie. „Und entschuldige.“
Er sieht verwirrt aus. Natürlich.
„Wofür?“, fragt er.
Sie kann nicht anders, sie muss lächeln. Die letzten Stunden ihres Lebens, und sie verbringt sie damit, die Menschen, die ihr am wichtigsten sind, anzulügen.
Ein Lächeln beruhigt.
„Ach, nichts.“, sagt sie nur. „Dann bis Samstag. Du kommst doch zum Konzert?“
„Ja, klar. Bis dann.“
Halb im Gehen ruft er sie noch einmal zurück.
„Wir sehen uns Samstag, oder?“
Sie nickt nur. Sie hat Angst, ihre Stimme könnte versagen, wenn sie jetzt redet.
Das letzte Mal, dass sie ihn sieht.
Und alles, was sie zustande bringt, ist eine freundschaftliche Umarmung.
Dennoch… seine Wärme spürt sie immer noch auf der Haut.
Prompt spürt sie den Kloß im Halse. Die Tränen in den Augen, die Verzweiflung, die sie schüttelt.
Sie will nicht sterben. Sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich, und sie wird nie ein anderes bekommen. Sie hat nicht eines von all den Dingen erledigt, die sie so gerne tun wollte.
Ihre Geschichten werden nie beendet sein.
Ihre Gefühle werden den Menschen, die sie liebt, nie bekannt sein.
Ihr Leben wird hier auf der Erde niemals nennenswerte Spuren hinterlassen haben.
Sie wollte Bücher lesen.
Sie wollte die Welt kennenlernen.
Sie wollte lernen.
Mit einem Mal erscheint ihr die Prüfung, die sie bald geschrieben hätte, wie ein Klacks.
Farben ziehen an ihr vorbei. Gerüche. Sie sieht alle möglichen Ecken der Stadt, alle bei Nacht, erleuchtet.
Sie sieht das Leben hier pulsieren, und manchmal auch einfache Stille.
Ihre Mutter ist die ganze Zeit bei ihr. Sie hält sie bei der Hand, wie früher, als sie noch klein war.
Das wird nie mehr so sein.
Bald, denkt sie nur immer. Bald wird es anfangen zu wirken. Ich kann sie nicht alle anstecken. Ich will das nicht. Ich will sie nicht alle töten.
Und deshalb hat sie beschlossen zu sterben.
Ich will leben, verdammt! Warum kommt niemand? Warum hilft mir niemand? Warum kommt niemand und sagt mir, dass das alles einfach nur ein Riesenirrtum war?! Warum?!
Es ist ganz einfach. Nur zwei Tabletten schlucken.
Mehr nicht.
Cough.
Cough.
Cough.
Sie denkt an alle ihre Freunde.
Am Bahnhof, beim Umsteigen am frühen Morgen, sieht sie eine Freundin. Sie hat es eilig, ist auf dem Weg zur Schule, und ruft deshalb nur kurz und grinsend Hallo. Aber sie tut es so fröhlich. Sie hetzt, um noch rechtzeitig zu kommen. Sie schaut nicht nach links und rechts auf die kahlen Kachelwände.
Sie schaut ihr hinterher.
Sie will das auch sein. Sie will keine anderen Sorgen haben als Prüfungen.
Und es tut weh. Es tut weh, dieses fröhliche Gesicht zu sehen, dass nichts weiß. Nichts davon, was um acht Uhr morgens geschehen wird.
Niemand weiß etwas davon.
Nur sie, die Ärzte, ein paar andere.
Aber niemand ihrer Freunde.
Sie sitzt nun eine ganze Weile hier an der Haltestelle.
Leute hasten vorbei. Kinder plärren. Straßenbahnen fahren, Autos hupen, Fahrradfahrer klingeln.
Die Stadt lebt.
Sie kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, die ihr in diesem Moment über das Gesicht fließen, und kümmert sich nicht darum. Lehnt sich gegen die Schulter ihrer Mutter.
Sie weiß, dass es für sie auch schwer ist.
Sie nimmt das kleine Röhrchen aus ihrer Hosentasche und kippt die beiden kleinen Tabletten auf ihre Handfläche.
Einfach in den Mund nehmen und schlucken. Mehr nicht. Das ist alles.
Mehr nicht.
So einfach soll sterben sein?
Hier?
Ja. Hier. Nirgendwo sonst. Weil sie bis zum letzten Moment die Geräusche ihrer Stadt in sich aufnehmen will. Bis zum letzten Moment will sie die kühle Morgenluft spüren, will die Sonne auf ihrer Haut spüren und den Schatten.
Sonne. Leben.
Schatten. Tod.
Sie reibt die Tabletten zwischen den Fingerspitzen. Es ist bald acht Uhr.
Bitte, denkt sie. Bitte, Mama, schlag mir die Tabletten aus der Hand. Sag mir, ich soll das nicht tun. Beschütz mich. Es ist mir egal, was mit den anderen passiert, ich will leben.
Aber sie weiß genau, dass es ihr nicht egal ist.
It chokes.
Breaks apart.
That´s all it takes.
So einfach.
Sie denkt nicht mehr nach.
Sonne. Straßenbahn. Leben.
Sie nimmt das alles in sich auf, und ihr Kopf ist leer.
Hebt die Hand. Spürt die Tabletten auf der Zunge.
Sie sieht Manu auf sie zukommen. Er hat sie schon bemerkt und winkt ihr hektisch zu in dem Gewimmel. Kommt zu der Straßenbahnhaltestelle, wo sie sitzt.
Mama, denkt sie. Erklär es ihm, ich will nicht. Ich will das nicht sagen müssen.
Als er sich neben sie setzt, schluckt sie.
It´s gone.
„Guten Morgen.“, sagt er lächelnd.
Sein Lächeln, das sie immer so mochte. Sie schluchzt, und er macht ein bestürztes Gesicht, als sie sich gegen ihn lehnt und nur noch weint.
„Hey, was ist denn los? Was ist passiert?“
Sie klammert sich an seinen Arm. Sie spürt die Sonne auf der Haut nicht mehr. Sie hört die Leute nicht mehr. Die Autos nicht mehr.
Halt mich fest, denkt sie.
I´m gone.
Dann spürt sie nur noch, wie ihr Körper taub wird.
I´m dead.
Montag, 6. Juli 2009
Verlierer
Das Meer.
Von hier aus sieht es unendlich aus. Egal, wie weit man schwimmt, egal, wie weit man fährt, ein Ufer wird man nie erreichen.
Einfach nur immer und immer weiter fahren, bis in alle Ewigkeit. Niemals ankommen.
Ich weiß, dass das nur eine Lüge ist.
Aber es ist mir egal.
Der Himmel ist blau, als ob er mich verhöhnen würde. Halt die Klappe.
Und hier stehe ich am Wasser und sehe hinein.
Serafin steht am anderen Heck.
Serafin. Allein bei dem Gedanken an ihn kommt mir die Galle hoch. Wie kann jemand so perfekt sein? Wie kann jemandem alles, was er anpackt, gelingen? Wie kann jemand so stark sein?
Alle solche bescheuerten Leute. Leute, die zu nichts zu gebrauchen sind, außer mal eben und so nebenbei die Welt zu retten.
Pah. Pathetisches Gelaber. Lasst mich in Ruhe. Hört auf mit diesem Scheiß!
„Egal, was die anderen immer von dir hielten, du warst niemals ein Versager.“
Ach, echt?
Was denn dann? Einer von diesen Emos? Hobbymäßig die Adern aufschlitzen und, wenn alles nichts hilft, noch mal so eine richtig schöne Heulattacke kriegen?
Ne. Dann schon lieber ein schlichter Versager.
„Du hast schon oft verraten, und bist verraten worden, ohne Reue. Du bist daran gewöhnt.“
Leck mich!
Wer weiß. Vielleicht ist das Leben nach dem Tod ja einfach. Sich einfach treiben zu lassen… nie mehr Schmerzen.
Einfach nur treiben lassen.
Mein Leben ist doch eh nicht mehr den Dreck unter den Fingernägeln wert. Wird´s nicht mehr sein. Schon mal versucht, aus Treibsand herauszukommen?
Das hier ist ungefähr so ähnlich.
Verflucht unangenehm. Dringt überall hinein. Schleift dir die Haut von den Knochen, schmirgelt sie blitzeblank, dass Meister Propper aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt. Lässt nichts mehr von dir übrig.
Alles, woran du dich herausziehen willst, versinkt zusammen mit dir. Strampeln nützt auch nichts, es wird nur schlimmer.
Die rettende Hand?
Vergiss sie. Ich hab´s versucht, mehr als einmal. Aber genauso ein Firlefanz wie der Rest.
Halt dich an ihr fest, und sie lässt irgendwann los.
Es tut dir Leid?
Heuchlerin.
Hör auf damit, dich zu wehren.
Verschwende deine Kraft nicht darauf, das Unmögliche zu tun.
Lass dich einfach treiben.
„Du kannst einem Leid tun.“
Fresse. Ich will dein Mitleid nicht. Du bist Vergangenheit.
„Du bist eine lebende Leiche und merkst es nicht einmal.“
Also hau endlich ab aus meinem Kopf! Verkriech dich irgendwo in eine der stillgelegten Ecken meines Gehirns, und fang an, zu verwesen.
Hn Hn.
Weißt du, wie egal mir andere Leute sind?
„Wenn ich deine Hand loslasse, verschwindest du!“
Na und?! Tu nicht so, als ob dir das wichtig wäre, Arschloch!
Wenn ich dir wichtig bin, warum lässt du mich dann nicht gehen, hä?!
Es ist zwecklos.
So sehr ich es auch versuche, es bringt nie etwas.
Früher glaubte ich daran. Ich glaubte, eines Tages würde es sich ändern.
Egal, wie oft er mich demütigte. Egal, wie oft er mich seitdem immer wieder stehen ließ.
Ich war mir sicher, dass ich nur besser werden müsste. Nur besser. Ich muss lernen, all die Fehler nicht noch einmal zu begehen.
Ich muss lernen, aufmerksamer zu sein.
Ich muss lernen, meinen Gegner besser im Auge zu behalten.
Ich muss lernen, die Kampffähigkeiten meines Teams besser einzuschätzen.
Es ist zwecklos.
So sehr ich es auch versuche, es bringt nie etwas.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Manche gewinnen. Sie kämpfen und werden dabei immer stärker.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Manche verlieren. Sie sterben, und sie geben auf.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Die meisten verlieren, stehen wieder auf, verlieren wieder und fallen immer tiefer. Sie zerbrechen immer wieder neu, und der Klebstoff, mit dem sie sich selbst zusammengekittet haben, weil niemand für sie da war, ist irgendwann aufgebraucht.
Dann fallen sie wieder. Und sie zerbrechen in Abermillionen kleine Scherben. So klein, dass sie liegen bleiben. Den Himmel können sie nicht mehr sehen, weil sie zu weit unten liegen. Und dort kommt niemals jemand hin, der sie wieder flicken kann.
Selbst wenn – sie würden erneut brechen.
Denn es gibt Menschen, die sind als Verlierer geboren worden.
Wir können nicht alle gewinnen.
Ich muss versagen, damit andere es schaffen können.
„Wenn du es jetzt nicht tust, wirst du es für den Rest deines Lebens bereuen! Wenn man nicht kämpft, solange man lebt, rostet die Seele ein.“
Meine ist schon längst zerfallen. Wenn etwas rostet, wird es fragil und morsch.
Meine Seele ist vom Rost schon zerfressen worden. Sogar der Schrottplatz lacht sie aus.
Verletzen, bevor ich selbst verletzt werde…
Verraten, bevor ich selbst verraten werde…
Über mir, über dem dunklen, dunklen Wasser, scheint die Sonne.
Sie blendet.
Ich kann ihr höhnisches Lachen hören. Ich kann hören, wie sie mich auslacht, wie sie mich abstößt.
Die Sonne ist nicht dafür da, Versagern Licht zu spenden. Die Sonne ist nur dazu da, damit die Glücklichen in ihrem Licht baden können.
Ich gehöre dort nicht mehr hin.
Die Schmerzen sind nichts Neues. Mein ganzes Leben lang hat es geschmerzt.
Bye Bye, ihr Glückspilze.
Holt euch keinen Sonnenbrand.
Nicht meine eigenen Gedanken, sondern die von einem Charakter aus meiner Geschichte, die nur leider in dieser Form wohl nicht in der Geschichte vorkommen werden.
Von hier aus sieht es unendlich aus. Egal, wie weit man schwimmt, egal, wie weit man fährt, ein Ufer wird man nie erreichen.
Einfach nur immer und immer weiter fahren, bis in alle Ewigkeit. Niemals ankommen.
Ich weiß, dass das nur eine Lüge ist.
Aber es ist mir egal.
Der Himmel ist blau, als ob er mich verhöhnen würde. Halt die Klappe.
Und hier stehe ich am Wasser und sehe hinein.
Serafin steht am anderen Heck.
Serafin. Allein bei dem Gedanken an ihn kommt mir die Galle hoch. Wie kann jemand so perfekt sein? Wie kann jemandem alles, was er anpackt, gelingen? Wie kann jemand so stark sein?
Alle solche bescheuerten Leute. Leute, die zu nichts zu gebrauchen sind, außer mal eben und so nebenbei die Welt zu retten.
Pah. Pathetisches Gelaber. Lasst mich in Ruhe. Hört auf mit diesem Scheiß!
„Egal, was die anderen immer von dir hielten, du warst niemals ein Versager.“
Ach, echt?
Was denn dann? Einer von diesen Emos? Hobbymäßig die Adern aufschlitzen und, wenn alles nichts hilft, noch mal so eine richtig schöne Heulattacke kriegen?
Ne. Dann schon lieber ein schlichter Versager.
„Du hast schon oft verraten, und bist verraten worden, ohne Reue. Du bist daran gewöhnt.“
Leck mich!
Wer weiß. Vielleicht ist das Leben nach dem Tod ja einfach. Sich einfach treiben zu lassen… nie mehr Schmerzen.
Einfach nur treiben lassen.
Mein Leben ist doch eh nicht mehr den Dreck unter den Fingernägeln wert. Wird´s nicht mehr sein. Schon mal versucht, aus Treibsand herauszukommen?
Das hier ist ungefähr so ähnlich.
Verflucht unangenehm. Dringt überall hinein. Schleift dir die Haut von den Knochen, schmirgelt sie blitzeblank, dass Meister Propper aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt. Lässt nichts mehr von dir übrig.
Alles, woran du dich herausziehen willst, versinkt zusammen mit dir. Strampeln nützt auch nichts, es wird nur schlimmer.
Die rettende Hand?
Vergiss sie. Ich hab´s versucht, mehr als einmal. Aber genauso ein Firlefanz wie der Rest.
Halt dich an ihr fest, und sie lässt irgendwann los.
Es tut dir Leid?
Heuchlerin.
Hör auf damit, dich zu wehren.
Verschwende deine Kraft nicht darauf, das Unmögliche zu tun.
Lass dich einfach treiben.
„Du kannst einem Leid tun.“
Fresse. Ich will dein Mitleid nicht. Du bist Vergangenheit.
„Du bist eine lebende Leiche und merkst es nicht einmal.“
Also hau endlich ab aus meinem Kopf! Verkriech dich irgendwo in eine der stillgelegten Ecken meines Gehirns, und fang an, zu verwesen.
Hn Hn.
Weißt du, wie egal mir andere Leute sind?
„Wenn ich deine Hand loslasse, verschwindest du!“
Na und?! Tu nicht so, als ob dir das wichtig wäre, Arschloch!
Wenn ich dir wichtig bin, warum lässt du mich dann nicht gehen, hä?!
Es ist zwecklos.
So sehr ich es auch versuche, es bringt nie etwas.
Früher glaubte ich daran. Ich glaubte, eines Tages würde es sich ändern.
Egal, wie oft er mich demütigte. Egal, wie oft er mich seitdem immer wieder stehen ließ.
Ich war mir sicher, dass ich nur besser werden müsste. Nur besser. Ich muss lernen, all die Fehler nicht noch einmal zu begehen.
Ich muss lernen, aufmerksamer zu sein.
Ich muss lernen, meinen Gegner besser im Auge zu behalten.
Ich muss lernen, die Kampffähigkeiten meines Teams besser einzuschätzen.
Es ist zwecklos.
So sehr ich es auch versuche, es bringt nie etwas.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Manche gewinnen. Sie kämpfen und werden dabei immer stärker.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Manche verlieren. Sie sterben, und sie geben auf.
Es gibt Menschen, die kämpfen ihr Leben lang. Die meisten verlieren, stehen wieder auf, verlieren wieder und fallen immer tiefer. Sie zerbrechen immer wieder neu, und der Klebstoff, mit dem sie sich selbst zusammengekittet haben, weil niemand für sie da war, ist irgendwann aufgebraucht.
Dann fallen sie wieder. Und sie zerbrechen in Abermillionen kleine Scherben. So klein, dass sie liegen bleiben. Den Himmel können sie nicht mehr sehen, weil sie zu weit unten liegen. Und dort kommt niemals jemand hin, der sie wieder flicken kann.
Selbst wenn – sie würden erneut brechen.
Denn es gibt Menschen, die sind als Verlierer geboren worden.
Wir können nicht alle gewinnen.
Ich muss versagen, damit andere es schaffen können.
„Wenn du es jetzt nicht tust, wirst du es für den Rest deines Lebens bereuen! Wenn man nicht kämpft, solange man lebt, rostet die Seele ein.“
Meine ist schon längst zerfallen. Wenn etwas rostet, wird es fragil und morsch.
Meine Seele ist vom Rost schon zerfressen worden. Sogar der Schrottplatz lacht sie aus.
Verletzen, bevor ich selbst verletzt werde…
Verraten, bevor ich selbst verraten werde…
Über mir, über dem dunklen, dunklen Wasser, scheint die Sonne.
Sie blendet.
Ich kann ihr höhnisches Lachen hören. Ich kann hören, wie sie mich auslacht, wie sie mich abstößt.
Die Sonne ist nicht dafür da, Versagern Licht zu spenden. Die Sonne ist nur dazu da, damit die Glücklichen in ihrem Licht baden können.
Ich gehöre dort nicht mehr hin.
Die Schmerzen sind nichts Neues. Mein ganzes Leben lang hat es geschmerzt.
Bye Bye, ihr Glückspilze.
Holt euch keinen Sonnenbrand.
Nicht meine eigenen Gedanken, sondern die von einem Charakter aus meiner Geschichte, die nur leider in dieser Form wohl nicht in der Geschichte vorkommen werden.
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