Als ich in der Schule gemobbt wurde, wurde mir immer wieder dieser Ratschlag erteilt, von Eltern und Lehrern gleichermaßen: "Ignorier sie einfach, dann hören sie von alleine auf."
Nein, das tun sie nicht. Sie versuchen es nur stärker.
Wann immer ich weinen musste - sei es wegen verstorbener Haustiere, wegen schlechter Noten, wegen Kummer aus egal welchen Gründen - kam, früher oder später, von meiner Mutter der Satz "So, jetzt ist aber mal gut. Stell den Wasserhahn ab."
Nein. Wenn ich weinen muss, dann kann ich das nicht einfach abstellen. Das ist keine Entscheidung!
Alles, was diese Ratschläge mir jemals gebracht haben, war, dass ich all den Frust und jeden Widerspruch, jede Traurigkeit all die Jahre in mich hineingefraß, wo sie sich aufstauten und zu einem großen, schweren Felsen auf der Seele wurden. Alles, was diese Ratschläge mir jemals brachten, war, inaktiv und widerspruchslos zu sein und niemanden wissen zu lassen, was ich fühlte.
Nichts ändert sich, wenn man nichts unternimmt.
Sonntag, 3. Januar 2016
Montag, 31. August 2015
Weiche Feder, Sonne in den Augen
Glück ist, an ihn zu denken.
Egal, ob ich in ihn verliebt bin oder nicht, es ist Glück, wenn ich an diesen
Moment denke auf dem Friedhof bei Sonnenaufgang, an diese Gruppe völlig
übernächtigter, leicht angetrunkener Menschen und er ist einer von ihnen. Ein
gackerndes, weiches Huhn in den Händen ist Glück, und sein schiefes Lächeln so
nah an mir dran, als wir vor dem Tassenschrank stehen, dieser stille Moment, wo
wir uns einfach anlächelten, so dicht aneinander dran. Das sind Momente, die
ewig in meinem Herzen wohnen, ein Lächeln und Augen, an die ich mich noch
erinnern werde, wenn ich jeden anderen Sonnenstrahl vergessen habe.
Wo die Sonne glüht
Irgendwie musste ich erst nach
Skrattåsen, diesen kleinen Bauernhof mitten in Norwegen, fahren, um zu begreifen,
was manche Dinge bedeuten. Was für ein Glück es bedeutet, eine riesige
Brombeerhecke im Garten zu haben! Man muss nur hinausgehen, in einer alten
Jeans und den hohen Gummistiefeln und einem Eimer um die Hüfte gebunden, und
kann pflücken und pflücken, bis die Schüssel voll ist. Immer und immer wieder,
und man streckt und beugt sich, bleibt an Brombeerranken hängen, kratzt sich
die Arme auf, und in den Haaren stecken abgebrochene Zweige und Stacheln.
Sonnenwarme, süße Brombeeren, so saftig, dass sie schon von alleine abfallen,
wenn man nicht Acht gibt. Was für ein Glück das ist, all diese Brombeeren so
direkt vor der Tür zu haben, wenn man sich nur richtig nach ihnen streckt und
sorgsam ist beim Pflücken. Was für ein Glück, so viel Marmelade, Saft und Gelee
kochen zu können, um an kalten, dunklen Wintertagen ein Glas Sommer öffnen zu
können. Es ist Glück, Tomaten direkt vom Strauch pflücken zu können, noch warm
von der Sonne und ebenso süß, die köstlichsten Tomaten der Welt. Und was für
ein Schatz jede Himbeere ist! Jede einzelne von ihnen so groß wie eine kleine
Erdbeere und so wenige von ihnen, dass jede von ihnen die Mühe wert ist, die
das Pflücken bedeutet. Und in jeder einzelnen glüht die Sonne nach.
Das alles ist Sommer, das ist
Glück. Der alte Apfelbaum neben dem Grundstück ist Glück, denn er bedeutet mehr
Apfelmus, als man auf einmal essen könnte, er bedeutet selbstgemachtes,
würziges Apfelmus auch im tiefsten Winter, genau wie der alte Pflaumenbaum,
dessen Pflaumen zum Essen alleine zu sauer und zu fest sind, aber das beste
Pflaumenmus der Welt ergeben. Und jedes einzelne Glas mit Marmelade, mit Gelee
oder Mus, jeder Tropfen Saft, achtsam in irgendwann einmal aufgehobene Flaschen
abgefüllt, bedeutet Sommer, wenn die Nächte lang und die Kleidung nass und
klamm von Schnee und Regen ist.
Freitag, 12. Juni 2015
Was ich in den letzten vier Jahren gelernt habe:
"who you are in high school is not who you will be in college and who you are in college is not who you will be when you are 30.
when you accept that you are malleable and ever-changing, you will be less resistant to new ways of thinking and being and you will grow into the beautiful person you are meant to become.
resist the urge to remain stagnant. there are always things to learn about the world and yourself. let yourself learn them." (via tumblr, by taliabobalia)
Was meine Mutter mir sagt:
"Menschen ändern sich nicht. Vorlieben und Meinungen bleiben tief innen immer gleich. Niemand verändert sich wirklich."
"who you are in high school is not who you will be in college and who you are in college is not who you will be when you are 30.
when you accept that you are malleable and ever-changing, you will be less resistant to new ways of thinking and being and you will grow into the beautiful person you are meant to become.
resist the urge to remain stagnant. there are always things to learn about the world and yourself. let yourself learn them." (via tumblr, by taliabobalia)
Was meine Mutter mir sagt:
"Menschen ändern sich nicht. Vorlieben und Meinungen bleiben tief innen immer gleich. Niemand verändert sich wirklich."
Donnerstag, 11. Juni 2015
Die Meinung der anderen
Ach ja. Was ganz schweres. Die alte Krux, was ich oft gedacht habe und nach wie vor manchmal denke:
"Was denken die anderen wohl über mich?"
"Oh Gott, wenn ich das hier trage, dann gucken die doch bestimmt alle und lästern über mich!"
"Die Mail klang so ungeduldig, der will bestimmt nicht, dass ich ihn schon wieder etwas frage, Bachelorarbeitsbetreuer hin oder her."
"Du kannst dir die Nase putzen, wenn du aus der Bahn ausgestiegen bist, nicht hier, das finden bestimmt alle total eklig."
"Frag jetzt nicht, was das ist, dann denken bestimmt alle, du bist dumm."
Ich lerne immer noch, dass diese Gedanken völlig unsinnig und die Antworten darauf irrelevant sind. Der Betreuer meiner Bachelorarbeit ist genau dazu DA, um meine Fragen zu beantworten. Vielleicht sind sie manchmal etwas zu offensichtlich, vielleicht sind sie manchmal arg wirr, aber das ist egal. Er ist nicht dazu da, nur Fragen über einem bestimmten Niveau zu beantworten, sondern, um mir weiterzuhelfen. Also gebe ich mir Mühe.
Tu, was du tun musst. Tu, was du tun willst. Zieh an, was du anziehen willst. Wenn es eines gibt, was ich innerhalb der letzten beiden Jahre immer öfter gelernt habe: Menschen denken weit weniger über andere nach, als man meinen könnte. Ihnen fällt weit weniger auf. Und selbst wenn es einen gibt, der nicht damit übereinstimmt, dass ich mich heute für die kurzen Hosen entschieden habe und nicht die langen, weiten Stoffhosen, dann kann mir das egal sein. Denn die Meinung dieses Menschen ist es nicht, die darüber bestimmt, ob ich mich wohlfühle und wer ich bin. Die Meinung jedes Menschen außer mir ist nicht ausschlaggebend dafür, wie ich mich zu fühlen habe, auch wenn Bestätigung von außen und angebrachte, faire Kritik definitiv willkommen sind.
Wichtig ist nur: Der einzige Mensch, der mich rund um die Uhr ertragen muss, der sich permanent mit meinen Entscheidungen und meinen Einstellungen, meinen Meinungen und Handlungen auseinander setzen muss, dessen Glück von diesen Dingen abhängt, bin ich. Der erste Mensch, der mich lieben können soll, bin ich selbst. Denn wenn ich mich selbst nicht lieben kann, wie soll es jemand anders dann können?
"Was denken die anderen wohl über mich?"
"Oh Gott, wenn ich das hier trage, dann gucken die doch bestimmt alle und lästern über mich!"
"Die Mail klang so ungeduldig, der will bestimmt nicht, dass ich ihn schon wieder etwas frage, Bachelorarbeitsbetreuer hin oder her."
"Du kannst dir die Nase putzen, wenn du aus der Bahn ausgestiegen bist, nicht hier, das finden bestimmt alle total eklig."
"Frag jetzt nicht, was das ist, dann denken bestimmt alle, du bist dumm."
Ich lerne immer noch, dass diese Gedanken völlig unsinnig und die Antworten darauf irrelevant sind. Der Betreuer meiner Bachelorarbeit ist genau dazu DA, um meine Fragen zu beantworten. Vielleicht sind sie manchmal etwas zu offensichtlich, vielleicht sind sie manchmal arg wirr, aber das ist egal. Er ist nicht dazu da, nur Fragen über einem bestimmten Niveau zu beantworten, sondern, um mir weiterzuhelfen. Also gebe ich mir Mühe.
Tu, was du tun musst. Tu, was du tun willst. Zieh an, was du anziehen willst. Wenn es eines gibt, was ich innerhalb der letzten beiden Jahre immer öfter gelernt habe: Menschen denken weit weniger über andere nach, als man meinen könnte. Ihnen fällt weit weniger auf. Und selbst wenn es einen gibt, der nicht damit übereinstimmt, dass ich mich heute für die kurzen Hosen entschieden habe und nicht die langen, weiten Stoffhosen, dann kann mir das egal sein. Denn die Meinung dieses Menschen ist es nicht, die darüber bestimmt, ob ich mich wohlfühle und wer ich bin. Die Meinung jedes Menschen außer mir ist nicht ausschlaggebend dafür, wie ich mich zu fühlen habe, auch wenn Bestätigung von außen und angebrachte, faire Kritik definitiv willkommen sind.
Wichtig ist nur: Der einzige Mensch, der mich rund um die Uhr ertragen muss, der sich permanent mit meinen Entscheidungen und meinen Einstellungen, meinen Meinungen und Handlungen auseinander setzen muss, dessen Glück von diesen Dingen abhängt, bin ich. Der erste Mensch, der mich lieben können soll, bin ich selbst. Denn wenn ich mich selbst nicht lieben kann, wie soll es jemand anders dann können?
Sonntag, 12. April 2015
Feeling Pushed Again
Als ich die Schule wechselte, hatte ich an dieser neuen Schule voller Menschen, von denen der Großteil mich nicht besonders positiv aufnahm, einen einzigen Freund. Also war es logisch, dass ich mich erst einmal an ihn hängte in dieser neuen Schule, die so völlig anders war als die, die ich bisher gekannt hatte.
Er beschwerte sich, dass ich ihm "nicht ständig hinterrennen" solle und dass ihn das nerve.
Ich begann, an dieser neuen Schule Menschen kennenzulernen, die nicht zu seinem Freundeskreis zählten. Sie wurden nicht meine Freunde, eher entfernte Bekannte, aber ich mochte es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich verbrachte meine Pause gerne mal mit ihnen, setzte mich in den Unterricht neben sie.
Er beschwerte sich, dass ich in den Pausen ständig weg wäre, und war beleidigt, als ich mich im Unterricht nicht neben ihn setzte.
Er setzte sich am Anfang des Schuljahres, bei der Festlegung der Sitzplätze, in jedem einzelnen Fach neben mich, etwas, was nur er ausdrücklich wünschte. Danach beschwerte er sich das gesamte Jahr darüber, dass ich ihn im Unterricht ständig ablenken würde (indem ich ihm Fragen stellte, wenn ich etwas nicht verstand), beschwerte sich, wenn ich zu vertieft war, um ihm seine Fragen augenblicklich zu erklären, setzte sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu jemand anderem, damit derjenige "nicht so allein sitzen braucht" und ließ somit mich alleine sitzen, was aber anscheinend nicht so schlimm ist.
In dem Jahr nach dem Schulabschluss, das Jahr, in dem ich ziellos zuhause saß und nicht wusste, was ich mit mir und der Welt anstellen sollte, das Jahr, indem ich Süßkram ziellos in mich hineinfraß und keinerlei Sport trieb - kurz, das Jahr, das das Schlimmste meines Lebens war, das Jahr, bevor ich ein besserer Mensch wurde - ging ich liebend gerne zu jeder seiner Grillabende und Geburtstagspartys und betrank mich. Weil es alle anderen taten. Die Fotos und Geschichten dieser Saufpartys erzählt er heute noch jedem rum, den wir treffen, als wären es Trophäen, die man herumzeigt, jedes Mal mit einer Variation des Satzes "Das war hammer lustig.". Ja, für mich nicht. Das war das Jahr, in dem ich mit mir selbst kreuzunglücklich, auf der Höhe meines Gewichtes und einfach nur deprimiert war. Für ihn war es das Jahr, in dem ich am lustigsten war.
Dann begann ich, zu studieren, erst in Leipzig, dann in Rostock. Ich ging laufen, ich begann, zu erkennen, dass ich nicht betrunken sein will und es nicht sein muss, und ich lernte, "Nein!" zu sagen. Nach und nach, aber ich lernte es. Ich begann, meinem Sport einen hohen Platz in meiner Prioriätenliste einzuräumen. Erst bekam ich noch Komplimente, als ich abnahm, dann wurde ich der Freak dafür, dass ich ständig laufen gehen würde, dann kamen die Beschwerden, wenn ich abends früh von der Party ging (um 1:00 Uhr morgens) oder meinen Alkoholkonsum streng limitierte. Wirklich streng.
Dann kam mein geliebtes Drachenbootteam und ernste Sportbemühungen. Mittlerweile bin ich bei 6x Sport die Woche, dreimal davon Drachenboot. Nicht zu vergessen gelegentliche Wettkämpfe oder Rennen am Wochenende, Grillabende, Geburtstagsfeiern, gemeinsame Unternehmungen im Team ... und weil meine Zeit damit sehr limitiert war, lehnte ich immer öfter gemeinsame Saufabende ab, wenn sie mit Teamabenden kollidierten. Weil ich dieses Team liebe, und weil ich diese Leute liebe, und weil es gute Leute sind, mit denen ich sehr gerne meine Zeit verbringe.
Von wem rede ich hier die ganze Zeit? Sollte eigentlich klar sein. Von Fabian. Von Fabian und seiner Unfähigkeit, zu begreifen, dass ich Dinge habe, die mir wichtiger sind als er.
Er beschwert sich, dass ich "ja nie erreichbar" bin - weil er an ein paar Tagen versuchte, mich anzurufen. Ein Versuch. Zu genau der Zeit am Abend, in der ich beim Training bin, was ihm mittlerweile doch eigentlich klar sein dürfte, es aber nicht ist. Die Tatsache, dass ich davor und danach sehr wohl sehr gut erreichbar bin, entgeht ihm da. Die Tatsache, dass mir ein Sushiabend mit meinem Team oder ein Grillabend mehr Spaß macht, als mit ihm die ganze Nacht lang in irgendwelche Clubs zu gehen, wo er noch nicht einmal tanzt, sondern nur rumsitzt und gegen die Musik eine flache Unterhaltung zu führen versucht, während der er eigentlich nur auf seinem Smartphone rumhängt, ist ihm völlig unverständlich. Vor einer ganzen Weile schickte er mir sogar eine SMS, dass ich überhaupt keine Zeit mehr für meine Freunde hätte (= Fabian und seine Freunde), dass mir mein blöder Sportverein viel wichtiger wäre und ich ja überhaupt nie mehr irgendwas mit ihnen machen würde, und ich sollte mich gefälligst entscheiden. Nachdem ich erst geheult, ihm dann eine wütende, gepfefferte Rücknachricht und dann zwei Tage Funkstille geschickt habe und wir uns dann auch wieder ausgesprochen haben, war es bzgl. dieser Thematik etwas ruhiger geworden, aber er hört trotzdem nicht damit auf. Damit, sich wie ein bockiges Kleinkind zu benehmen.
Geht es darum, dass ich irgendwann erst um drei Uhr nachts nach Hause gekommen bin (was nur eine Nebeninformation der Erzählung war), kommt der Kommentar: "Du hattest da bestimmt Training."
Geht es darum, dass ich irgendwohin nicht mitkommen kann, kommt der Kommentar: "Trainiert ihr eigentlich irgendwann mal nicht?"
Die Wettkämpfe, die mir wichtig sind und von denen ich stolz erzähle, tut er mit einem Schulterzucken ab und vergisst sie sogleich wieder. Geht es darum, dass ich zu einem Konzert nicht mitkommen möchte, weil ich nicht einsehe, für eine Band, die ich nicht leiden kann, zehn oder noch mehr Euro auszugehen (und ja, zehn Euro sind nicht viel Geld für ein Konzert, auch fünfzehn nicht, aber wen ich die Band nun einmal nicht leiden kann, sind es immer noch zehn oder fünfzehn Euro zuviel), werde ich wieder langweilig geschimpft. Fragt er mich ein paarmal, ob ich zu irgendwelchen Unternehmungen mitkommen möchte, und ich entweder keine Zeit oder keine Lust auf besagte Unternehmungen habe (weil es nun einmal nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, nachts in einem Club rumzusitzen mit Leuten, die nicht einmal tanzen wollen - das einzig Sinnvolle, was man da tun könnte - und überhaupt, was genau hindert euch daran, vielleicht mittags was zu unternehmen anstatt spätabends???) bin ich langweilig, hätte ja nie Zeit und wäre bestimmt wieder bei meinem blöden Training. Frage ich ihn und mache Vorschläge bzgl. gemeinsamer Freizeitgestaltung, kommt nur "Joah, mal sehen ...", gefolgt davon, dass er das eh wieder vergisst und sich was anderes vornimmt (von dem er mir dann nichts erzählt, weil ich "ja eh nie Zeit" hätte).
Er ist das eingeschnappte Kleinkind, dem ich 24/7 zur Verfügung stehen soll, selbst, wenn nichts los ist, Hauptsache, ich springe, sobald er pfeift. Er ist derjenige, der seine Freundin und alle Mädels, die er kennt, mit Samthandschuhen anfässt, aber mich mit den Worten "Du siehst ja heute richtig hässlich aus." begrüßt. Er ist derjenige, der jedem einen Platz in der ersten Reihe freiräumt, ohne zu fragen und egal, wie voll es da ist, und mich vollkommen ignoriert, sodass ich die einzige bin, die hinter ihnen stehen muss, und sich dann nach dem Konzert beschwert, dass ich ja so schnell weg war - nachdem ich mich von dem Moshpit habe mitreißen lassen und Spaß hatte. Er ist derjenige, der sich mit jemandem über Frauenklischees unterhält, dann mich anguckt und sagt: "Naja, du zählst ja nicht, du bist ja eh keine richtige Frau." Er ist derjenige, der immer noch bei jedem Event versucht, mir Bier reinzuquälen, und mich Langweiler ruft, weil ich kein Bier mag und nie gemocht habe - selbst, wenn ich anstelle von Bier ein mir schmackhaftes leicht alkoholisiertes Getränk konsumiere. Sämtliche sportlichen Erfolge werden mit einem abwertenden "Du bist ja auch verrückt.", einem beiläufigen Schulterzucken und augenblicklichem Themawechsel kommentiert. Keine Unterhaltung mit mir ist wichtig genug, als dass er sich nicht einfach, während ich mit ihm rede, abwenden und jemand anderen ansprechen würde und das für völlig normal hält.
Ich bin eine Selbstverständlichkeit für ihn. Und das regt mich auf. Und meine Versuche, ihm begreiflich zu machen, dass ich neuerdings ein Sozialleben besitze, das sich nicht um ihn dreht und auch nicht von ihm abhängig ist, dass auf meiner Prioritätenliste nicht er an oberster Stelle steht und ich es satt habe, über seine mich beleidigenden Kommentare zu lachen, machen mich für ihn zum Langweiler, zu jemandem, der nie Zeit für seine Freunde hat und zu einem Langweiler, Langweiler, Langweiler. Je mehr Selbstwertgefühl ich bekam und je mehr Selbstliebe ich aufbrachte, desto mehr begann er, mich mit kleinen Sticheleien zu beleidigen und sich über mich zu beschweren.
Und ich merke, wie gut es mir tut, nicht nach seiner Pfeife zu tanzen. Aber ich merke auch, dass mir seine Kommentare und sein Verhalten immer noch sehr wehtun können und mich immer noch sehr aufregen - weshalb dieser Post so lang geworden ist und weshalb es noch ein langer Weg ist. Aber ich bin unterwegs. Und der frische Wind um meine Nase gefällt mir ausnehmend gut.
Er beschwerte sich, dass ich ihm "nicht ständig hinterrennen" solle und dass ihn das nerve.
Ich begann, an dieser neuen Schule Menschen kennenzulernen, die nicht zu seinem Freundeskreis zählten. Sie wurden nicht meine Freunde, eher entfernte Bekannte, aber ich mochte es, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich verbrachte meine Pause gerne mal mit ihnen, setzte mich in den Unterricht neben sie.
Er beschwerte sich, dass ich in den Pausen ständig weg wäre, und war beleidigt, als ich mich im Unterricht nicht neben ihn setzte.
Er setzte sich am Anfang des Schuljahres, bei der Festlegung der Sitzplätze, in jedem einzelnen Fach neben mich, etwas, was nur er ausdrücklich wünschte. Danach beschwerte er sich das gesamte Jahr darüber, dass ich ihn im Unterricht ständig ablenken würde (indem ich ihm Fragen stellte, wenn ich etwas nicht verstand), beschwerte sich, wenn ich zu vertieft war, um ihm seine Fragen augenblicklich zu erklären, setzte sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu jemand anderem, damit derjenige "nicht so allein sitzen braucht" und ließ somit mich alleine sitzen, was aber anscheinend nicht so schlimm ist.
In dem Jahr nach dem Schulabschluss, das Jahr, in dem ich ziellos zuhause saß und nicht wusste, was ich mit mir und der Welt anstellen sollte, das Jahr, indem ich Süßkram ziellos in mich hineinfraß und keinerlei Sport trieb - kurz, das Jahr, das das Schlimmste meines Lebens war, das Jahr, bevor ich ein besserer Mensch wurde - ging ich liebend gerne zu jeder seiner Grillabende und Geburtstagspartys und betrank mich. Weil es alle anderen taten. Die Fotos und Geschichten dieser Saufpartys erzählt er heute noch jedem rum, den wir treffen, als wären es Trophäen, die man herumzeigt, jedes Mal mit einer Variation des Satzes "Das war hammer lustig.". Ja, für mich nicht. Das war das Jahr, in dem ich mit mir selbst kreuzunglücklich, auf der Höhe meines Gewichtes und einfach nur deprimiert war. Für ihn war es das Jahr, in dem ich am lustigsten war.
Dann begann ich, zu studieren, erst in Leipzig, dann in Rostock. Ich ging laufen, ich begann, zu erkennen, dass ich nicht betrunken sein will und es nicht sein muss, und ich lernte, "Nein!" zu sagen. Nach und nach, aber ich lernte es. Ich begann, meinem Sport einen hohen Platz in meiner Prioriätenliste einzuräumen. Erst bekam ich noch Komplimente, als ich abnahm, dann wurde ich der Freak dafür, dass ich ständig laufen gehen würde, dann kamen die Beschwerden, wenn ich abends früh von der Party ging (um 1:00 Uhr morgens) oder meinen Alkoholkonsum streng limitierte. Wirklich streng.
Dann kam mein geliebtes Drachenbootteam und ernste Sportbemühungen. Mittlerweile bin ich bei 6x Sport die Woche, dreimal davon Drachenboot. Nicht zu vergessen gelegentliche Wettkämpfe oder Rennen am Wochenende, Grillabende, Geburtstagsfeiern, gemeinsame Unternehmungen im Team ... und weil meine Zeit damit sehr limitiert war, lehnte ich immer öfter gemeinsame Saufabende ab, wenn sie mit Teamabenden kollidierten. Weil ich dieses Team liebe, und weil ich diese Leute liebe, und weil es gute Leute sind, mit denen ich sehr gerne meine Zeit verbringe.
Von wem rede ich hier die ganze Zeit? Sollte eigentlich klar sein. Von Fabian. Von Fabian und seiner Unfähigkeit, zu begreifen, dass ich Dinge habe, die mir wichtiger sind als er.
Er beschwert sich, dass ich "ja nie erreichbar" bin - weil er an ein paar Tagen versuchte, mich anzurufen. Ein Versuch. Zu genau der Zeit am Abend, in der ich beim Training bin, was ihm mittlerweile doch eigentlich klar sein dürfte, es aber nicht ist. Die Tatsache, dass ich davor und danach sehr wohl sehr gut erreichbar bin, entgeht ihm da. Die Tatsache, dass mir ein Sushiabend mit meinem Team oder ein Grillabend mehr Spaß macht, als mit ihm die ganze Nacht lang in irgendwelche Clubs zu gehen, wo er noch nicht einmal tanzt, sondern nur rumsitzt und gegen die Musik eine flache Unterhaltung zu führen versucht, während der er eigentlich nur auf seinem Smartphone rumhängt, ist ihm völlig unverständlich. Vor einer ganzen Weile schickte er mir sogar eine SMS, dass ich überhaupt keine Zeit mehr für meine Freunde hätte (= Fabian und seine Freunde), dass mir mein blöder Sportverein viel wichtiger wäre und ich ja überhaupt nie mehr irgendwas mit ihnen machen würde, und ich sollte mich gefälligst entscheiden. Nachdem ich erst geheult, ihm dann eine wütende, gepfefferte Rücknachricht und dann zwei Tage Funkstille geschickt habe und wir uns dann auch wieder ausgesprochen haben, war es bzgl. dieser Thematik etwas ruhiger geworden, aber er hört trotzdem nicht damit auf. Damit, sich wie ein bockiges Kleinkind zu benehmen.
Geht es darum, dass ich irgendwann erst um drei Uhr nachts nach Hause gekommen bin (was nur eine Nebeninformation der Erzählung war), kommt der Kommentar: "Du hattest da bestimmt Training."
Geht es darum, dass ich irgendwohin nicht mitkommen kann, kommt der Kommentar: "Trainiert ihr eigentlich irgendwann mal nicht?"
Die Wettkämpfe, die mir wichtig sind und von denen ich stolz erzähle, tut er mit einem Schulterzucken ab und vergisst sie sogleich wieder. Geht es darum, dass ich zu einem Konzert nicht mitkommen möchte, weil ich nicht einsehe, für eine Band, die ich nicht leiden kann, zehn oder noch mehr Euro auszugehen (und ja, zehn Euro sind nicht viel Geld für ein Konzert, auch fünfzehn nicht, aber wen ich die Band nun einmal nicht leiden kann, sind es immer noch zehn oder fünfzehn Euro zuviel), werde ich wieder langweilig geschimpft. Fragt er mich ein paarmal, ob ich zu irgendwelchen Unternehmungen mitkommen möchte, und ich entweder keine Zeit oder keine Lust auf besagte Unternehmungen habe (weil es nun einmal nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist, nachts in einem Club rumzusitzen mit Leuten, die nicht einmal tanzen wollen - das einzig Sinnvolle, was man da tun könnte - und überhaupt, was genau hindert euch daran, vielleicht mittags was zu unternehmen anstatt spätabends???) bin ich langweilig, hätte ja nie Zeit und wäre bestimmt wieder bei meinem blöden Training. Frage ich ihn und mache Vorschläge bzgl. gemeinsamer Freizeitgestaltung, kommt nur "Joah, mal sehen ...", gefolgt davon, dass er das eh wieder vergisst und sich was anderes vornimmt (von dem er mir dann nichts erzählt, weil ich "ja eh nie Zeit" hätte).
Er ist das eingeschnappte Kleinkind, dem ich 24/7 zur Verfügung stehen soll, selbst, wenn nichts los ist, Hauptsache, ich springe, sobald er pfeift. Er ist derjenige, der seine Freundin und alle Mädels, die er kennt, mit Samthandschuhen anfässt, aber mich mit den Worten "Du siehst ja heute richtig hässlich aus." begrüßt. Er ist derjenige, der jedem einen Platz in der ersten Reihe freiräumt, ohne zu fragen und egal, wie voll es da ist, und mich vollkommen ignoriert, sodass ich die einzige bin, die hinter ihnen stehen muss, und sich dann nach dem Konzert beschwert, dass ich ja so schnell weg war - nachdem ich mich von dem Moshpit habe mitreißen lassen und Spaß hatte. Er ist derjenige, der sich mit jemandem über Frauenklischees unterhält, dann mich anguckt und sagt: "Naja, du zählst ja nicht, du bist ja eh keine richtige Frau." Er ist derjenige, der immer noch bei jedem Event versucht, mir Bier reinzuquälen, und mich Langweiler ruft, weil ich kein Bier mag und nie gemocht habe - selbst, wenn ich anstelle von Bier ein mir schmackhaftes leicht alkoholisiertes Getränk konsumiere. Sämtliche sportlichen Erfolge werden mit einem abwertenden "Du bist ja auch verrückt.", einem beiläufigen Schulterzucken und augenblicklichem Themawechsel kommentiert. Keine Unterhaltung mit mir ist wichtig genug, als dass er sich nicht einfach, während ich mit ihm rede, abwenden und jemand anderen ansprechen würde und das für völlig normal hält.
Ich bin eine Selbstverständlichkeit für ihn. Und das regt mich auf. Und meine Versuche, ihm begreiflich zu machen, dass ich neuerdings ein Sozialleben besitze, das sich nicht um ihn dreht und auch nicht von ihm abhängig ist, dass auf meiner Prioritätenliste nicht er an oberster Stelle steht und ich es satt habe, über seine mich beleidigenden Kommentare zu lachen, machen mich für ihn zum Langweiler, zu jemandem, der nie Zeit für seine Freunde hat und zu einem Langweiler, Langweiler, Langweiler. Je mehr Selbstwertgefühl ich bekam und je mehr Selbstliebe ich aufbrachte, desto mehr begann er, mich mit kleinen Sticheleien zu beleidigen und sich über mich zu beschweren.
Und ich merke, wie gut es mir tut, nicht nach seiner Pfeife zu tanzen. Aber ich merke auch, dass mir seine Kommentare und sein Verhalten immer noch sehr wehtun können und mich immer noch sehr aufregen - weshalb dieser Post so lang geworden ist und weshalb es noch ein langer Weg ist. Aber ich bin unterwegs. Und der frische Wind um meine Nase gefällt mir ausnehmend gut.
Dienstag, 3. Februar 2015
Hefezopf und Honigmilch
Es war im Sommer.
Ein Abend nach einem windigen Spätsommertag. Der Onkel sitzt noch immer auf dem Traktor, lässt Heuballen um Heuballen zurück, die Brotkrumen, denen die Kinder folgen. Die Kleinen schlafen längst, die großen jedoch treiben sich noch immer auf dem Feld herum. Stoppelkurz ist es jetzt, wo vorher noch ein unüberwindbarer grüner Ozean tobte, stoppelkurz und endlos. Die mittlere tanzt, tanzt, tanzt, die älteste steht im Wind wie ein Vogel, der ausruht, und der älteste tobt mit dem Hund - und sie alle schicken ihre Gedanken in den Sturm. Sie alle haben ihren eigenen Wind, auch der Hund, schwarz wie Schatten in der Nacht.
Und als die mittlere Tochter ins Bett gegangen ist, liegen die beiden Ältesten - Hefezopf und Honigmilch - noch nebeneinander, und sie beobachten Sterne, Satelliten, Flugzeuge, das Licht und die Abenddämmerung, die einen Kreis mit ihnen als Zentrum ziehen. Über ihnen ein Guckloch ins Universum, wo die Nacht am dunkelsten ist.
Und wusstest du schon, dass die Erde sich dreht?
Ich nicht.
Und dass jeder - fast jeder - dieser Sterne eine Sonne ist? Viele in eigenen Galaxien?
Ich nicht.
Und so liegen sie da im Gras. Wirst du jemals richtig wütend? Kannst du das? Sind ruhige Menschen nicht viel einfacher, viel umgänglicher? Sind sie nicht viel ehrlicher, ihre Enttäuschung ungleich schmerzhafter, weil sie immer mit einem Grund enttäuscht sein werden?
Und bist du nicht der beste, liebste Mensch auf Erden?
So rauschen die Bäume im Sturm, der von Bergen, einsamen Seen und Weite erzählt.
Ein Abend nach einem windigen Spätsommertag. Der Onkel sitzt noch immer auf dem Traktor, lässt Heuballen um Heuballen zurück, die Brotkrumen, denen die Kinder folgen. Die Kleinen schlafen längst, die großen jedoch treiben sich noch immer auf dem Feld herum. Stoppelkurz ist es jetzt, wo vorher noch ein unüberwindbarer grüner Ozean tobte, stoppelkurz und endlos. Die mittlere tanzt, tanzt, tanzt, die älteste steht im Wind wie ein Vogel, der ausruht, und der älteste tobt mit dem Hund - und sie alle schicken ihre Gedanken in den Sturm. Sie alle haben ihren eigenen Wind, auch der Hund, schwarz wie Schatten in der Nacht.
Und als die mittlere Tochter ins Bett gegangen ist, liegen die beiden Ältesten - Hefezopf und Honigmilch - noch nebeneinander, und sie beobachten Sterne, Satelliten, Flugzeuge, das Licht und die Abenddämmerung, die einen Kreis mit ihnen als Zentrum ziehen. Über ihnen ein Guckloch ins Universum, wo die Nacht am dunkelsten ist.
Und wusstest du schon, dass die Erde sich dreht?
Ich nicht.
Und dass jeder - fast jeder - dieser Sterne eine Sonne ist? Viele in eigenen Galaxien?
Ich nicht.
Und so liegen sie da im Gras. Wirst du jemals richtig wütend? Kannst du das? Sind ruhige Menschen nicht viel einfacher, viel umgänglicher? Sind sie nicht viel ehrlicher, ihre Enttäuschung ungleich schmerzhafter, weil sie immer mit einem Grund enttäuscht sein werden?
Und bist du nicht der beste, liebste Mensch auf Erden?
So rauschen die Bäume im Sturm, der von Bergen, einsamen Seen und Weite erzählt.
Montag, 12. Januar 2015
He could have been a god and became a monster instead. - Random Ideas
„You were like a son
to me.“
He didn’t shift or
even move his eyes, he just stood there, motionless, emotionless, the flames
inside him so hot nothing in the world could ever have withstood them, just
white hot nothingness.
“Hell, you were a son to me!”, the man called, the
man who had took him in after the parents he couldn’t even remember had died in an
accident. “I took you in, merely a baby, and I cared for you like you were my
own. I never hit you, and with every problem you had, I tried my best to help
you and be there for you. You were my son.”
He remembers those
years. The years in this golden prison, this kind man and all those
expectations behind him. All those unspoken and spoken words of a great future,
of him to grow into the wisest man ever
known after it became clear how extraordinarily smart he was, a great leader to
become, and how big this gift bestowed on him was. And how big his duty to use
it to its fullest.
“And then you joined
this people, this rebels, and I was even glad because you had friends, son. Friends who showed
you greatness and godness and light when you couldn’t find it yourself and when I couldn’t
reach you. I was thankful to them.”
“All those years you
feared me.”, he whispered, and his father turned around, the old eyes big and
shimmering with uncried tears. He came to him, whispering “No,” and “You are
wrong, I never,” and all those lies. “All those years you paved me a path to go
and you were glad when I followed your lead blindly, because you were afraid of
what could happen if I ever left that path. You were glad when I found this
friends, when I found him, because
that meant someone was able to control me, and that someone had a good soul.
You were afraid because you knew I was a weapon –“
“No!”, his father
roared, “You were never born a weapon, you were born a god!”
“- because you knew I was a weapon about to go
out of control!” He had nearly screamed the last words, his throat hoarse
and burning. “You were afraid, and I found them, and when we took off to kill
the mad king, to bring light to this world, you tried to keep me from it.”
“I just – I was just
fearing for the life of my son, I –“
“Don’t. Lie. To me.”
His eyes were steel, white glowing steel, and as much hatred as he beared, he
was tired. So tired.
His father just stood there, not breaking the
eye contact for minutes while they both stood silent, just
searching the truth in each others eyes. And even now, with his son chained up
and every ounce of fire spark sealed within him, he saw the fear. The fear of a bomb
about to explode, not the fear for a beloved child.
“I knew what fighting
would do to you.”, his father whispered tired, looking away, and he just
slumped down, every bit of hatred or even fighting will leaving his body and
just making him numb and tired. So tired. “I knew that this mans visions were
great, but also how much fighting it would take, and as much as I wanted him to
succeed, I didn’t want you to take part in that. I knew you would kill people,
and I knew that there was shadow in you because there’s always shadow when a
flame burns bright. Unlike every other element, fire always also meant
darkness.”
“You knew that from
the past fire elementars.”, he whispered with his scratchy, numb voice, and his
father just nodded, again and again wiping tears from his face.
“Yeah. They never
lived long, and they always meant great tragedies because there never was
someone there in time to stop and guide them. I thought if I just gave you the
right way – and you had every ounce in you to go there! – you would realize
what the best for you was. You were not only born with the fire, you were also
born so incredibly smart. You should have become the wisest man there was, with
a power and a mind fit to lead the people, to protect them. You should have
become the god you were destined to be, the biggest hero of history, the first
fire elementar to not succumb to the darkness in him.”
“I was never born a
god.”
“You were.” The eyes
of his father told him of the fear all those years. The fear right now. Fear of
the flames being far greater than the love for his son, fear great enough to sentence
him to death. “And there was a time you believed that too.”
“Because you set
expectations I didn’t have choice but to fulfill. Because you tried to control
me with all what you had, forming me after your will, every moment afraid to
lose control over my soul. Because you even made me lose myself with all of your
will blackening my own thoughts, my own soul out.”
“Because I loved you!”
And even so, even
though he said that, he wouldn’t come near the son he swore to love. Not come
near him because he was afraid, not come near him despite his movements and his
fire sealed and locked away by chains and sealing paper no one, not even him,
was able to break.
“I even tried to help
you when those friends of yours, those heroes
–“, he spat out the word like something disgusting, “- began to turn
against the people they had sworn to free, when all they did was leaving death
and mayhem behind, when this great king
of yours went insane and you protected him! Even then. I protected you, did
everything I could so you wouldn’t be hunted, so you would be forgiven!”
“Because you were
afraid of resistance. You knew perfectly well that I could kill every foe who
came near me, and no one would be able to even come near me if I felt
threatened. You didn’t want to protect me, you wanted to protect the people I
could have killed. Because you were sure I would kill, and you didn’t want me
hunted because you were afraid of me,
of the mayhem I could cause if you drove me into a corner.”
The words just
drained him even more, every one of them numbing him, and he was so tired with all of this. It didn’t matter
anymore, he didn’t care anymore if this man admitted the truth because the most
important one he had already spoken out loud. It didn’t matter anymore.
Nothing did.
His father was quiet
for a long time, and when he turned around and faced him again, his face was
haggard and sad.
“You could have
become a god.”, he whispered, sounding tired and just flatout finished with
him. “You had it all to become a wise man. You were born a god,
and instead you just became this monster. You aren’t my son anymore.”
“If this one here isn’t,
I’m afraid you never had a son.”, he just answered, the flames inside him dead
and leaving only cold ash for now. Tired. So tired of all this things long
past, and his bruises and wounds aching and throbbing so hard he could barely manage a clear thought anymore. He felt wet blood running down his cheek from
under the bandage, and the water elementar saw it also, moving his hand as if
to wipe it away, then stopping, his face hardening, and just going away with
one last glance.
“We’re finished.”, he
told the guard at the door with the voice he had heard his whole life, the
voice of a commander.
“You were the
commander of a weapon, and when the experiment failed, you didn’t want to
comprehend that with it failing, you would lose all the control and all of the
things you wished for. You never feared for me, you were always just afraid for
your own sake.”
The man sunk into his
chair and folded his hands, as if all of this was just another matter cleared off his daily list. “Bring
him away.”
You never wished for me to become a god, he thought wearily and closed his
eyes as the guards circled and grabbed him, less leading than just brutally dragging him. What you always wished for was the
endless power a weapon like me could have given you if you were the only one able to control
it.
Freitag, 9. Januar 2015
Love And Why, In Dark Long Nights, I Wish I Had Never Ever Fallen In Love - Because
Because this second chance is worth nothing without knowing where you are, without even knowing whether you are still alive.
Because you made me question why I ever thought I would be better off alone, and then I was alone again.
Because I love you, because you are the only one, because all this words I never said hurt as much as those I did, and because you were the first I ever cared about. And because I wish I could go back in time to change everything, to show you that you are the Only One. I'd say sorry.
Because there's still hope in my heart - hope that's it's not hopeless, that I'll see your smile again. Because I search for you in every face I see, look for your eyes and your smile in every stranger on the street. Because I will lay it all to bare, tell you all my secrets, all my fears.
Because it's flawless. You're the Only One, you're My Only One.
Don't you know?
Or am I fading from your mind, has not just your head, has your heart forgotten me? Are you searching for me in every stranger, or did the distance blurr the lines?
Because some things won't heal with time, because I linger on every precious word I can remember. Because I know those memories are more than I deserve, and because I'll probably just make it worse, but I need to tell you that I'm sorry. Because you are My Only One, and I love you, and I'm sorry, and because I don't have the slightest clue of where you are.
Because I don't know where you are, but you still are my only one and I can't hold you anymore. Because this old heart of mine still hurts with every memory, because this old, stupid heart can't let you go.
Because I told you everything, because you are the only one for me, and because I need you to know that.
Do you know?
Do you know that you are the only one I have ever loved like this? Do you know that you will be my only one forever?
Because you made me question why I ever thought I would be better of alone.
(Enthält Text von James Blunt - "The Only One". Enthält die Gefühle eines dummen, schmerzenden Herzens, das nicht vergessen kann und will.)
Because you made me question why I ever thought I would be better off alone, and then I was alone again.
Because I love you, because you are the only one, because all this words I never said hurt as much as those I did, and because you were the first I ever cared about. And because I wish I could go back in time to change everything, to show you that you are the Only One. I'd say sorry.
Because there's still hope in my heart - hope that's it's not hopeless, that I'll see your smile again. Because I search for you in every face I see, look for your eyes and your smile in every stranger on the street. Because I will lay it all to bare, tell you all my secrets, all my fears.
Because it's flawless. You're the Only One, you're My Only One.
Don't you know?
Or am I fading from your mind, has not just your head, has your heart forgotten me? Are you searching for me in every stranger, or did the distance blurr the lines?
Because some things won't heal with time, because I linger on every precious word I can remember. Because I know those memories are more than I deserve, and because I'll probably just make it worse, but I need to tell you that I'm sorry. Because you are My Only One, and I love you, and I'm sorry, and because I don't have the slightest clue of where you are.
Because I don't know where you are, but you still are my only one and I can't hold you anymore. Because this old heart of mine still hurts with every memory, because this old, stupid heart can't let you go.
Because I told you everything, because you are the only one for me, and because I need you to know that.
Do you know?
Do you know that you are the only one I have ever loved like this? Do you know that you will be my only one forever?
Because you made me question why I ever thought I would be better of alone.
(Enthält Text von James Blunt - "The Only One". Enthält die Gefühle eines dummen, schmerzenden Herzens, das nicht vergessen kann und will.)
Sonntag, 2. November 2014
The Art Of Saying Thanks
Tired of what you want me to be
Want me to think, to feel, to say
Tired of you scratching at me
Scratching away the colours I see
Your world the only one for you
While telling the opposite to me
Your will, your wishes, your vision
In everything you want me to do
And wanted by you
In everything I want to do myself
You think you are open, tolerant, giving
freedom to everyone
And you are
To everyone but me
You forgot how to smile
at the little things, the things I do for you
Forgot the reason to thank,
And everything I do for you
Is now nothing but self-evident
Want me to think, to feel, to say
Tired of you scratching at me
Scratching away the colours I see
Your world the only one for you
While telling the opposite to me
Your will, your wishes, your vision
In everything you want me to do
And wanted by you
In everything I want to do myself
You think you are open, tolerant, giving
freedom to everyone
And you are
To everyone but me
You forgot how to smile
at the little things, the things I do for you
Forgot the reason to thank,
And everything I do for you
Is now nothing but self-evident
Samstag, 4. Oktober 2014
Familie
Ich liebe mein Team - denn wenn man sagt: "Naja, ich bin ja auch ein Stück breiter als du.", von Frau zu Mann, kommt als Antwort: "Was soll das denn jetzt heißen, dass ich nicht so viel trainiere wie du?!"
Ich liebe die Menschen dort in Norwegen, auf diesem kleinen Hof in der Mitte von Nirgendwo. Weil es ihnen so wichtig ist, sich auch für Kleinigkeiten zu bedanken. Dafür, dass ich ihr vergessenes Wasserglas mitbrachte oder daran dachte, den Pullover mit ins Haus zu bringen. Dafür, dass sie den stillen Beschützer im Hintergrund nicht nur bemerken, sondern seine Hand nehmen und sagen:
"Jetzt passt auch mal jemand auf dich auf - nicht immer nur du auf andere. Jetzt kümmert sich auch mal jemand um dich."
Dafür, dass sie hinschauen. Sie sehen nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Wenn sie dich ansehen - sie sehen dich wirklich. Sehen in dich hinein und sehen alles. Wenn du etwas sagst, werden sie zuhören - nicht nur das Laute, sie werden auch hören, was du verschweigst. Wenn du handelst, werden sie deine Körpersprache lesen und verstehen. Wenn du fragst, dann denken sie nach, über jedes Wort, über jede Antwort.
"Du stellst gerne direkte Fragen, oder?"
Sie werden niemals etwas Unbedachtes oder Leichtfertiges sagen. Sie werden nachdenken und dich niemals mit einer Belanglosigkeit, einer Phrase, mit Worten, die nicht wirklich stimmen, abspeisen. Sie werden dir immer die Wahrheit sagen, über sich selbst und auch über dich.
Und sie lieben dich.
"Ich habe noch niemals zuvor jemanden getroffen, der sich einfach so andere Welten ausdenken konnte. Das muss total toll sein."
"Glaubst du, dass es diese Welten, die du im Kopf hast, wirklich irgendwo geben könnte?"
Sie schließen nichts aus. Sie nehmen dich als denjenigen, der du bist, und sie stellen alles in Frage, und sie sind bereit, über alles nachzudenken. Und sie werden dich lieben.
Und immer willkommen heißen.
Ich liebe die Menschen dort in Norwegen, auf diesem kleinen Hof in der Mitte von Nirgendwo. Weil es ihnen so wichtig ist, sich auch für Kleinigkeiten zu bedanken. Dafür, dass ich ihr vergessenes Wasserglas mitbrachte oder daran dachte, den Pullover mit ins Haus zu bringen. Dafür, dass sie den stillen Beschützer im Hintergrund nicht nur bemerken, sondern seine Hand nehmen und sagen:
"Jetzt passt auch mal jemand auf dich auf - nicht immer nur du auf andere. Jetzt kümmert sich auch mal jemand um dich."
Dafür, dass sie hinschauen. Sie sehen nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Wenn sie dich ansehen - sie sehen dich wirklich. Sehen in dich hinein und sehen alles. Wenn du etwas sagst, werden sie zuhören - nicht nur das Laute, sie werden auch hören, was du verschweigst. Wenn du handelst, werden sie deine Körpersprache lesen und verstehen. Wenn du fragst, dann denken sie nach, über jedes Wort, über jede Antwort.
"Du stellst gerne direkte Fragen, oder?"
Sie werden niemals etwas Unbedachtes oder Leichtfertiges sagen. Sie werden nachdenken und dich niemals mit einer Belanglosigkeit, einer Phrase, mit Worten, die nicht wirklich stimmen, abspeisen. Sie werden dir immer die Wahrheit sagen, über sich selbst und auch über dich.
Und sie lieben dich.
"Ich habe noch niemals zuvor jemanden getroffen, der sich einfach so andere Welten ausdenken konnte. Das muss total toll sein."
"Glaubst du, dass es diese Welten, die du im Kopf hast, wirklich irgendwo geben könnte?"
Sie schließen nichts aus. Sie nehmen dich als denjenigen, der du bist, und sie stellen alles in Frage, und sie sind bereit, über alles nachzudenken. Und sie werden dich lieben.
Und immer willkommen heißen.
A heart
One
"I think I noticed that my greatest fear is to become a steelheart.", Finn said.Two
"I think my second-greatest fear is to become a steelheart.", Scharebalai said quietly."Then what's your biggest fear?", she whispered.
"That I already am a steelheart.", Scharebalai said even quieter.
Mittwoch, 23. Juli 2014
Serafin - Gerüchte aus einem Söldnerleben IX: 1. "I've never felt like this around anyone before. And it feels amazing and scary. You make me really happy."
Für Serafin war es niemals leicht
im Sommer. Sie kam mit der Hitze nicht gut zurecht, verkroch sich am Tag oft in
dunkle, kühle Gassen, reiste nachts und erledigte ihre Geschäfte morgens und
abends. Ihr Leben aber, so selbstbestimmt es auch sein mochte, war zu abhängig
von anderen, und so musste sie oft durch die Mittagshitze laufen mit anderen
Leuten um sich herum, die ebenso schwitzten. Sie suchte Arbeit, und es war weit
und breit keine zu finden. Ihr Schwert auf den Rücken geschnallt, den Umhang
zusammengerollt um ihr Bündel herum ebenfalls auf dem Rücken, nur das ärmellose,
grob geschnürte Hemd aus Leinen am Oberkörper und die stabile Leinenhose mit
den unzähligen Taschen. Sie mochte es, zu verbergen, dass sie eine Frau war –
viele heuerten Frauen ungerne an. Im Sommer jedoch hätte das bedeutet, viel zu
warm angezogen zu sein, und so ließ sie es bleiben. Selbst so – Serafin war
schlank und flach, keine Kurven, hoch gewachsen. Viele hielten sie auf den
ersten Blick immer noch bloß für einen jungen Mann, vielleicht den jüngsten
Sohn einer Großfamilie, für den es im Erbe keinen Platz mehr gegeben hatte und
der sich nun mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt.
Was gar nicht einmal so weit weg
von der Wahrheit war.
Sie schob den Strohhut auf ihrem
Kopf hinunter, kratzte sich unter dem groben Kopftuch, das ihre Haare
zurückhielt, und schob den Hut wieder hoch. Es war warm, aber der einzige
Schatten, den sie hier bekommen konnte, und Sonnenfieber kannte sie bereits zur
Genüge. Die Luft so staubig, dass man die Staubschicht in Mund und Nase fast
schmecken konnte, die Luft flirrend vor Hitze, und sie hatte kein Geld mehr.
Hier, am Rand des Marktplatzes, wo die Händler und Reisenden ihre Karren
abstellten, wo Reisende abfuhren und ankamen, da war fast immer Arbeit zu
finden, egal, in welcher Stadt sie gerade war. Serafin verlangte für die Arbeit
als Begleitschutz nicht viel, für die Arbeit als Handlanger noch weniger. Kam
das Reiseziel des Händlers ihr entgegen, verlangte sie noch weniger. Lieber fünf Jobs für jeweils drei Kupfer als
ein Job für ein Silber, dachte sie bei sich, dachte sie immer, aber auch
das war heute nicht zu machen.
Die Luft war flirrend heiß, und Serafin
ließ sich einfach in den Schatten unter der Akazie fallen, die die Mitte des
Platzes überschattete, zusammen mit dem geschlossenen Brunnen. Sie schloss
einfach müde die Augen und rieb sich träge übers Gesicht, alles zu hell und zu
warm. Was bist du auch nicht früher in
den Norden abgehauen, dachte sie schlecht gelaunt. Selbst schuld. Selbst ihre Lederrüstung trug sie lieber in ihrem
Bündel herum, als sie anzulegen – sie war zwar gut geeignet, die Leute von Serafins
Eignung als Karawanenwächter zu überzeugen, aber bei der glühenden Sonne wäre
sie darunter einfach weggeschmolzen. Sogar die Pflastersteine brannten. Sie
strich mit den Fingern über den rauen, rotbraunen Stein des Pflasters, schob
dann ihren Strohhut vom Kopf, sodass der in ihrem Nacken hing, und zog sich das
Kopftuch von den Haaren, um wenigstens für eine Weile ein bisschen Wind an sich
heran zu lassen. Auch, wenn der Wind genauso warm war, er kühlte sie zumindest
ein bisschen ab und trocknete die schweißnassen kurzen Haare. Sie gingen Serafin
mittlerweile wieder bis unters Kinn, sodass das Kopftuch nötig war, wenn sie
bei Wind noch etwas sehen wollte.
„Hallo.“
Sie blickte auf, überraschter,
als sie es sich selbst gegenüber eingestehen wollte. Direkt vor ihr stand
jemand, ohne dass sie ihn hatte kommen sehen. Eine Frau, mit vielen tausend
Fältchen im Gesicht, Krähenfüßen an den Augen und einem Lächeln, das dem der
Sonne Konkurrenz machte. Sie war tief gebräunt, die ledrige Haut von jemandem,
der sein Leben lang der Sonne ausgesetzt gewesen war, und trug bunte Kleidung,
mit bunten Schnüren und Holzperlen in den schwarzen, mit grauen Strähnen
durchsetzten Haaren. Sie strahlte so viel Wärme und Licht aus mit ihrer
farbenfrohen Kleidung und ihrem Lächeln, dass sie der Sonne an diesem Tag Konkurrenz machte. Um
ihre bloßen Knöchel klimperten mit Holzperlen geschmückte Messingkettchen.
Die Frau deutete auf das blutrote
Stoffband, mit dem Serafins linker Unterarm umwickelt war. „Du bist eine
Söldnerin, ja?“
Serafin seufzte leise. Frauen als
Söldner waren selten, und viel zu oft wollten die Leute, die sie ansprachen,
ihr keinen Job anbieten, sondern nur zweifelhafte Angebote unterbreiten. „Ja.“
Auf dem zerfurchten,
sonnengegerbten Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, dem mehrere Zähne
fehlten, aber selten hatte Serafin mehr Freude gesehen. „Wir haben Arbeit für
dich.“
„Worum geht’s?“ Sie stand auf,
jetzt fast einen halben Kopf größer als die Frau von den Libor Kah.
Umherziehendes Spielmannsvolk. Serafin zweifelte nicht, dass diese Frau eine
von ihnen war. Das Volk der Libor Kah war leicht zu erkennen – stets dunkel
gebräunt von der Sonne, kräftiges, dickes schwarzes Haar, über das die
Edelfrauen hinter vorgehaltenen Händen flüsterten, und hellen, grauen Augen.
Diese Augen hatte nur das Volk der Libor Kah.
„Meine Familie und ich sind auf
dem Weg nach Skraa.“
Serafin hob die Augenbrauen und
folgte der Frau, als diese langsam zum Rand des Platzes schlenderte. „Direkt
ins Nachbarland? Je nachdem, vor wem ihr auf der Flucht seid, steigt der
Preis.“
Die Libor Kah nickte und lächelte
nur und führte Serafin zu einem bunten Schaustellerwagen, um den andere Libor
Kah herumstanden. Ein alter Mann, zwei fast gleich aussehende junge Männer, die
mit Serafin auf Augenhöhe waren und so durchtrainiert, dass sie sich fragte,
warum diese Familie noch zusätzliche Karawanenwächter anheuern musste. Ein
Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, dürr und unruhig hinter ihren Brüdern
tippelnd, und an der Hand eines sehr alten, gebeugten Mannes ein kleiner Junge.
„Deine Arbeit soll es sein,
jemanden von uns zu beschützen.“
„Leibwache?“ Serafin runzelte die
Stirn, Anspannung schlich sich hinein. „Ich hab keine Erfahrung mit
Personenschutz. Bisher ging es immer nur um Fracht und Gepäck oder
Auskundschaften der Route.“
Die Frau nickte, und Serafin
konnte sehen, wie sich Missbilligung in die Augen der beiden jungen Männer
schlich, aber keine Ablehnung. Sie hätte die Tatsache, dass sie niemals als
Leibwache für jemanden fungiert hatte, für sich behalten können, aber sie hatte
in diesem Job gelernt, dass Ehrlichkeit mit den Arbeitgebern meist am besten
funktionierte.
„Aber dafür bist du eine Frau.“,
sagte der alte Mann und lächelte Serafin ebenfalls an, sodass sie unwillkürlich
die Arme verschränkte, wie um eine Barriere aufzubauen gegen die plötzliche
Nähe, die diese Leute herzustellen versuchten. „Uns ist wohler, wenn wir eine
Frau mit dieser Aufgabe betrauen können.“
Sie hob die Augenbrauen, aber die
alte Libor Kah nickte nur den jungen Männern zu, und derjenige, der den kleinen
goldenen Ohrring im linken Ohr trug, zog eine siebte Person hinter dem Wagen
der Schausteller hervor, wo sie anscheinend verborgen im Schatten der
Wagenplane gewartet hatte. In Lumpenkleidern und Kopf und Schultern von einem
großen Tuch verborgen, dass sie sich umgeschlungen hatte. Serafin erkannte nur
am Rock, dass es eine junge Frau war, ehe die alte Frau sie überraschend
vorsichtig am Arm nahm und etwas näher zog, gleichzeitig leiser sprechend, sie
und die vermummte Person wieder in den Schatten und Sichtschutz des Wagens
ziehend.
„Auf sie sollst du aufpassen.“,
sagte sie leise, und die Familie, selbst das kleine Mädchen, formten fast eine
Art Schutzkreis um sie herum. Serafin konnte die Angst, entdeckt zu werden, aus
jeder noch so kleinen Bewegung lesen. Diese Leute hatten große Angst, gefunden
zu werden, und das hing mit der vermummten Gestalt zusammen.
„Was ist mit dir los? Was hast du
zu verbergen?“, fragte sie offen heraus, und die vermummte Person zögerte. Zog
langsam den Schal etwas herunter, sodass Serafin zumindest Augen und Nase sehen
konnte, schließlich noch ein Stückchen herunter, bis kurz unters Kinn. Ein
hübsches Gesicht. Eine junge Frau, voller Sommersprossen auf der blassen Haut, ohne
die hellen Augen der Libor Kah, stattdessen die Augen ebenso warm und braun wie
die Haarsträhne, die unter dem Schal hervorgerutscht war. Sie war wirklich
hübsch. Keine Narben, keine merkwürdigen Zeichen auf der Haut, keine
Muttermale. Nur die ungezählten Sommersprossen auf den schmalen Wangen und der
Nase.
Nicht so wie Serafin, die ihre
alte, rote Narbe quer über Nase und linke Wange trug. Trotzdem erkannte Serafin
die junge Frau sofort.
„Du bist die, deren Plakate
überall hängen. Die Gilde sucht wie verrückt nach dir.“ Neugierig musterte Serafin
die junge Frau, erinnerte sich an die Bilder, die jede freie Fläche im ganzen
Land zupflasterten. Gesucht wegen … wegen was eigentlich? „Ohne einen Grund
anzugeben.“
Das Lächeln auf dem Gesicht der
jungen Frau wurde zu einem entschlossenen Strich. Dünne, zusammengepresste
Lippen und ein vehementes Kopfschütteln, das mehr Haarsträhnen unter dem Schal
hervorrutschen ließ. Schulterlang, vielleicht länger, und so warm wie dunkles
Holz im Sonnenschein. „Die suchen nicht mich.“, sagte sie. „Sie suchen jemand
anderen, der genauso aussieht wie ich, aber nicht mich. Bloß kann ihnen das
keiner klarmachen. Und wenn sie mich ausliefern – und glauben, ich sei die
richtige – dann bin ich tot.“ Sie schüttelte den Kopf, lächelte wieder etwas
zerstreut, und Serafin sah sie lächeln und fast war es wie ein Sonnenstrahl.
„Lange Geschichte, tut mir Leid.
Aber … ausführlicher kann ich sie dir nicht erzählen. Noch nicht. Wir müssen
vorsichtig sein, entschuldige, aber jedenfalls ist das die Zusammenfassung.“
„Du sollst sie beschützen, bis
wir außer Landes sind.“, sagte die alte Frau wieder, aber Serafin musterte
weiterhin die junge Frau vor sich, vielleicht knapp einen Kopf kleiner als sie,
geringfügig größer, und unter dem groben Kleid und dem Schal ziemlich schmal.
Die blasse Haut verriet, dass sie das Leben auf der Straße nicht gewohnt war,
allerdings trug sie auch keine Schuhe, wiederum genau wie die Libor Kah, ohne blutige
Füße zu haben. Sie trug nicht die farbenfrohe Tracht mit Messingschmuck und
Holzperlen, aber ihre Kleidung musste dennoch zumindest teilweise von ihnen
geliehen sein. Sie bezeichneten das Mädchen als ihre Familie, aber eine Libor
Kah war sie nicht.
„Wie alt bist du?“, fragte Serafin.
„Einundzwanzig.“
„Weißt du das auf den Tag und
dein Geburtsjahr genau?“
„Ja.“ Verunsicherung schlich sich
in ihre Stimme, aber Serafin wusste, dass sie zumindest die ersten Jahre bei
einer guten Familie aufgewachsen sein musste. Wenig andere konnten ihren
Geburtstag auf das Jahr genau nennen, geschweige denn den genauen Tag. Serafins
zog jedes Jahr vorüber, ohne dass sie Notiz davon nahm – ihren Geburtstag hatte
ihr niemals jemand mitgeteilt, und das Jahr hatte sie nur im Nachhinein
feststellen können.
„Wie heißt du?“
„Marle.“ Das kam mit einem
leichten Zögern, aber ohne den Blickkontakt zu Serafin zu unterbrechen, ohne
vielleicht noch einen kurzen Blick zu der alten Frau neben Serafin zu werfen.
Sie war ein Teil der Familie, aber sie war ihre eigene Herrin, sie schuldete
keinem von ihnen Rechenschaft.
„Wer bist du, wenn du es nicht
bist, die sie suchen?“
Jetzt fehlten ihr die Worte, aber
das war, was Serafin gewollt hatte. Man lernte viel über Menschen, wenn man sie
einfach mit den direkten Fragen konfrontierte.
„Ich habe nichts getan.“, sagte
sie schließlich einfach nur, aber ihr Blick zu Serafin war fest und tiefgehend.
Sie flehte nicht – sie versuchte nur, zu überzeugen. „Ich habe nur …“
Und da war es. Sie senkte den
Blick, sie hob eine Hand, um sich damit im Nacken zu kratzen, den der Schal
verdeckte, kratzte sich am Hals, den Blick überall, bloß nicht auf Serafin
gerichtet. Serafin streckte die Hand nach ihr aus, wollte ihre Hand nehmen und
sie vom Kratzen abhalten, aber Marle schrak so heftig zurück, dass sie bis zur
Steinwand hinter sich zurückwich, die Arme abwehrend vor sich, die Augen
aufgerissen. Serafin hielt inne, ließ langsam die Hand sinken.
„Entschuldige.“, sagte sie
vorsichtig, lächelte. „Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich wollte nur sehen,
was mit dir los ist.“
Marle nickte nur langsam, kam
wieder zu ihnen. Sie erinnerte Serafin an eine Katze, jederzeit auf dem Sprung,
nur bereit, berührt zu werden, wenn sie vorher die Chance hatte, das
zuzulassen. Angst davor, dass jemand sie in seinem Griff gefangen halten
könnte.
„Schon gut.“
Sie blickte sich um, und der
kleine Junge an der Hand des alten Mannes quengelte leise in der dichten Mauer,
die die anderen Familienmitglieder bildeten, aber schnell hießen sie ihn, still
zu sein, jeder von ihnen nervös und angespannt. Marle zog den Schal von ihrem
Kopf, und auf dem blassen, schlanken Hals unter den zerwuschelten Haaren sah Serafin
das Siegel.
Sie hätte es nicht erkannt, wären
solche Siegel ihr nicht vertraut gewesen. Sie trat näher, langsamer diesmal,
und auch wenn Marle sie nicht aus den Augen ließ, ließ sie zu, dass Serafin
ihre Haare beiseite strich und sich das Siegel in ihrem Nacken, halb auf dem
Rücken, näher ansah. Es reichte auf einer Seite bis zum Schlüsselbein, erkannte
sie, als sie den Verlauf des Siegels nachfuhr. Schwarz wie Schatten, aber die
Schwärze verschwamm. War brüchig an einigen Stellen, und dort war die Haut
blutig gekratzt.
„Etwas ist versiegelt worden in
dir.“, sagte sie leise, versuchte, das Siegel zu lesen, aber zu wenig wusste
sie darüber. Sie wusste nur, was sie sich selbst in Büchern angelesen hatte,
und dazu wurde zu viel über die Siegeltechnik von den Magiern der Gilde
eifersüchtig unter Verschluss gehalten. „Aber das Siegel bricht. Siegel merkt
man bis auf die Knochen, deshalb das viele Kratzen – hast du starke Schmerzen?“
Marle nickte nur, der Mund ein
schmaler Strich, und Serafin wusste, sie musste stärkere Schmerzen haben, als
sie anderen und sich selbst gegenüber eingestand. Brechende Siegel waren eine
grässliche Angelegenheit.
„Bist du ein Mensch oder Magier?“
„Mensch.“
Serafin nickte, fragte nicht
weiter nach. Sie wollten ihr nicht sagen, was versiegelt worden war, warum das
Siegel brüchig war, aber um den Job annehmen zu können – auch wenn etwas in ihr
flüsterte, dass sie das ohnehin musste; sie brauchte nur Marle sehen, schmales
Gesicht, warme Augen und so stark, dieses Siegel zu ertragen – brauchte sie
noch eine Information.
„Wenn dein Siegel zerstört ist,
hat das Konsequenzen für dich oder für diejenigen um dich herum?“
Sie lächelte. „Nur für mich.“
Erst war Serafin verwirrt, runzelte die Stirn. „Es ist wirklich nur auf mich
bezogen.“
Das Siegel bricht und was auch immer versiegelt sein sollte, wird sie
umbringen, also warum zur Hölle lächelt sie?, fragte sich Serafin völlig
verwirrt, aber sie stellte diese Frage zurück. Sie wusste, was wichtig war, und
sie nickte Marle zu.
„In Ordnung. Ich nehm den Job.“
Marle lächelte, und nur für
dieses Lächeln hätte Serafin alles gesagt, was sie hören wollte. Es traf sie so
unvorbereitet wie ein Sonnenstrahl, der durch die Wolken bricht, und war Wärme.
Wärmer und leuchtender als dieser Sommertag, und es ging Serafin so durch und
durch, dass sie sich abrupt abwandte, der alten Frau zu, die ihr die Hand
hinstreckte.
„Dann ist es eine Freude für uns,
dich kennen zu lernen.“ Serafin ergriff die alte, faltige Hand, in der noch
weit mehr Kraft streckte, als sie ihr zugetraut hätte, und traute sich nicht,
sich wieder zu Marle umzudrehen – aus Angst, ihr Lächeln könnte wieder völlig
unvorbereitet hinter die Barrieren fahren, die Serafin sich so sorgfältig um
ihr Innerstes gebaut hatte. Das hier war Arbeit. Arbeit wie jede andere. Und
eine Person zu beschützen anstelle von Fracht konnte so anders nicht sein.
„Ich bin Jasallha. Auch nur Sal,
wenn es schnell gehen muss.“ Die anderen der Familie drehten sich zu ihnen um,
als sie Jasallha hörten, und blickten Serafin mit einer Mischung aus
Dankbarkeit und Erleichterung an.
„Juha.“, sagte der alte Mann,
„und Tibor.“, deutete er auf den kleinen Jungen, der sich an sein Bein
klammerte. „Hali.“, der Händedruck des jungen Mannes mit dem linken goldenen
Ohrring zerquetschte Serafin fast die Finger, aber sie stand ihm nicht im
geringsten nach, seinen Bruder, „Kali.“, mit dem Ohrring auf der rechten Seite,
übertraf sie sogar. „Shinai.“, sagte das kleine Mädchen mit trotzig
vorgestrecktem Kinn und misstrauisch verengten Augen. „Und ich lass dich nicht
aus den Augen. Wenn du Marle wehtust, musst du erst an mir vorbei.“
Fast musste Serafin lachen.
„Sicher, dass du diesen Job nicht hättest machen sollen?“, fragte sie grinsend,
und das kleine Mädchen sah sie nur umso strenger an. „Wir brauchen auch
niemanden. Wir können alleine auf Marle aufpassen. Wir sind alle stark.“, sagte
sie, packte Marles Hand, die sich wieder in ihr Tuch gewickelt hatte, und sah Serafin
noch einmal nachdrücklich streng an. „Die anderen haben gesagt, wir brauchen
jemanden. Aber das stimmt nicht.“
„Shinai, wir haben darüber
geredet.“, sagte Jasallha, und in ihrer Stimme schwang Ende der Diskussion mit. „Du isst bei uns mit und richtest dich in
allem, was Marle tut, nach ihr, es sei denn, du bist der Meinung, es bringt sie
in Gefahr oder schadet ihr. Pass auf sie auf und beschütze sie mit deinem Leben.
Du kannst schlafen, sobald du vorher für Marles Sicherheit gesorgt hast und
entweder Hali oder Kali währenddessen auf sie achtgeben. Wenn jemand fragt,
wofür du angeheuert wurdest, dann hast du dich uns nur als Schutz vor
eventuellen Wegelagerern im Tausche für Essen und Unterkunft angeschlossen.
Wenn jemand fragt, was unser Ziel ist, sind wir auf dem Weg zu den
Feierlichkeiten im Feenwald, weil wir dort spielen wollen.“ Der Feenwald war
nah an der Grenze zu Skraa, aber Serafin nickte übereinstimmend. Die Ausrede,
sich auf dem Weg zum Mittsommernachtsfest zu befinden, war für Spielleute
völlig plausibel. „Deine Bezahlung erhältst du jeden Tag bei Sonnenuntergang.
Wir bezahlen dich tageweise, und jeweils nach getaner Arbeit. Wieviel verlangst
du?“
Serafin kalkulierte. Das hier war
ein Job mit vielen Risiken, sie konnte eine Menge Kupfer da rausholen.
Andererseits hatten Jasallha und ihre Familie sie aus Sorge angeheuert, Sorge
um Marle, und nicht, weil sie Kupfer zu verschenken hatten. Sie waren nicht
bitterarm, die Kleidung war zwar geflickt, aber nicht ärmlich, aber Spielleute
hatten niemals viel Geld. Ihr Wagen war gut gepflegt, aber alt, und die Farbe
blätterte ab an den Stellen, an denen man es nicht sofort sah.
„Fünf Kupfer am Tag. Feststehend,
keine Gefahrenzulage.“
Sie sah die überraschten Blicke
der anderen, bevor sie sich, Schausteller, die sie waren, wieder in den Griff
bekamen. Das war billig. Das war sehr billig, und es entsetzte Serafin selbst,
wie wenig Geld sie hier verlangte, obwohl diese Menschen klar bereit gewesen
wären, erheblich mehr zu bezahlen. Serafin hatte schon leichtere Jobs mit einem
Silber am Tag gehabt, und selbst das war die untere Grenze gewesen. Fünf Kupfer
waren fast schon misstrauenserregend billig, aber sie blieb dabei. Und sie sah
die Erleichterung in Jasallhas Blick und die Überraschung in Shinais kleinem,
schmalem Gesicht.
Sie nickte noch einmal und kramte
ihren Vertrag aus einer der vielen schmalen Taschen ihrer Hose und an ihrem
Gürtel hervor. Sie hatte immer mindestens fünf Expemplare vorbereitet, jeden
davon auf Papier. Von Pergament ließ sich allzu leicht ohne Rückstände die
Schrift abschaben und der Vertrag fälschen. Sie hob ihr Reisebündel vom Rücken,
ging in die Hocke und kramte darin nach dem kleinen Tintenfässchen und
Federkiel, hielt beides, der Federkiel schon arg zerfleddert, Marle entgegen.
„Du bist die Schutzperson, du
unterschreibst.“, sagte sie ernst. „Erst darunter Jasallha. Den Vertrag behalte
ich, ihr könnt ihn euch allerdings abschreiben, wenn ihr das möchtet, oder ich
erstelle euch euer eigenes Exemplar. Ihr müsst nicht unterschreiben, es reicht
auch irgendein Zeichen, das euren Namen eindeutig rüberbringt.“ Marle schrieb
ihren Namen in feiner, eleganter Schrift, die Serafin erstaunte. „Und jetzt
noch den Daumen – nein, den linken – hier auf das Tintenkissen legen, feste
raufdrücken, dann auf den Vertrag. Sauberen Abdruck machen.“ Marle folgte ihren
Anweisungen, und kritisch beäugte Serafin den Fingerabdruck. „Sauber genug.
Jasallha?“
Jasallha schrieb ihren Namen so
verschnörkelt, dass Serafin sich kaum vorstellen konnte, in dieser Schrift
längere Texte lesen zu müssen, und hinterließ ebenfalls einen Daumenabdruck,
auch wenn jedem von ihnen im Gesicht abzulesen war, dass sie nicht wussten,
wofür das dienen sollte. Keiner allerdings fragte, und Serafin war nicht die
vor Worten übersprudelnde Sorte. Sie kratzte etwas trockenen Staub vom Boden,
blies ihn vorsichtig über die nasse Tinte, faltete den Vertrag schließlich mit
einem Nicken wieder zusammen und wickelte ihn wieder in das Wachstuch. Preis
und andere Details hatte sie selbst unter Jasallhas und Marles Blick in den
Vertrag geschrieben.
„Gut, das wären die
Formalitäten.“, sagte sie und hob ihr Bündel wieder auf den Rücken, als sie
erst jetzt die Blicke der anderen auf sich spürte. „Was ist?“
„Dein Name.“ Jasallha lächelte.
„Sagst du uns deinen Namen?“
„Ah. Entschuldigt. Vergess ich
manchmal. Serafin.“
Shinai quietschte leise, und
Serafin warf ihr einen bösen Blick zu, aber das kleine Mädchen wirkte ernsthaft
begeistert. „So ein schöner Name!“, rief sie entzückt, „Serafin!“
Verärgert runzelte Serafin die
Stirn und wollte gerade widersprechen, aber Marle war schneller.
„Finn.“
Serafin blinzelte verwirrt.
„Was?“
„Na, du brauchst einen
Spitznamen. Alle nennen dich Serafin, also nennen wir dich Finn.“ Sie lächelte
wieder, und Finn sah weg, fürchtete, dass man ihr die Freude darüber allzu
deutlich im Gesicht ablesen konnte. Sie baute sich so sorgfältig ihre Mauern,
hielt sie über Jahre intakt, und jetzt musste sie sich vor diesem einen Lächeln
in Acht nehmen, wenn sie nicht alle Masken und Schutzschichten fallen lassen
wollte! Das hier war Arbeit. Diese Leute betrachteten sich als Familie, und sie
mochten auch eine Familie sein, aber Serafin hatte einen Job bekommen und ihre
Arbeit zu erledigen. Sie war kein Teil dieser Familie, und sie brauchte auch
niemanden von ihnen.
Sie machten sich auf den Weg,
sichtlich erleichtert und froh, jemanden gefunden zu haben. Bis sie die
Stadtmauern hinter sich gelassen hatten, fuhren Serafin und Marle im zweiten
Wagen der Familie, den Hali lenkte mit Juha und Tibor neben sich auf der Bank.
Ab da lief Serafin, und obwohl die anderen ihr auf der Bank Platz machten, ließ
Marle sich nicht davon abbringen, neben Serafin zu laufen. Obwohl sie in ihrer
unmittelbaren Nähe geblieben wäre. Sie gingen schweigend – nicht lange, aber
währenddessen wiederholte Serafin das Wort in ihrem Kopf.
Finn.
Sie mochte den Klang. Sehr sogar.
Finn. Sie blinzelte irritiert, aber ein leichtes Zucken ihrer Mundwinkel
verriet trotzdem, was für einen freudigen Hüpfer ihr Herz gemacht hatte und
immer noch machte, als Marle sie Finn genannt hatte.
Ein … mein Spitzname.
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